Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

336 If. Pathologie, Therapie und medieinische Klinik, 
Sept. v. J. eines Morgens beim Caffeetrinken einen eigenen sal- 
zigen Geschmack im Munde, spie aus und sah Blut, was sich, 
so oft er trank oder ass, wiederholte. Als er. die Quelle unter- 
suchte, fand er eine hagelnussgrosse Geschwulst am Zahnflei- 
sche der Unterkinnlade hinter und zwischen dem äussern linken 
Schneide- und Augenzahne, die ihn aber nicht beschwerte, und 
um die er sich also auch nicht weiter kümmerte... Mehrere Tage 
darauf erwachte er in der Nacht mit vielem Blute im Munde, 
das hellroth war, in grossen Quantitäten hervorstürzte und Ohn- 
macht erzeugte. Die Stelle wurde comprimirt und ein Wund- 
arzt herbeigerufen, . der ein Aneurysma. der ‚Arteria sublingua- 
lis erkannte. Die geborstene unbedeutende Geschwulst pulsirte 
und warf aus einer ganz kleinen Oeffnung Blut. Compression 
und Styptica, Aderkass und Refrigerantia stillten die Blutung, 
die aber häufig wiederkehrte uud den Kranken sehr von Kräften 
brachte. Das Cauterium actuale, Umstechungen der Sublingua- 
lis und Submentalis halfen nur momentan; das turgescirende Blut 
hob den Schorf und drang zwischen den Fäden durch. Auch 
fortwährendes Auflegen eines blutstillenden Pappes liess die pe- 
riodische Blutung fortbestehen. Am .besten und längsten half 
noch ein Gemisch aus Gummi arab., Gallussäure, Zine. sulph, 
und Opium. — Im Blute ist jetzt ein Orgasmus, wie bei Blut- 
überfüllten. Ueberall klopfen die Arterien und der Puls ist voll, 
weich. Besonders pulsiren die Gefässe am Kopfe und im Ge- 
sichte, die Carotiden heben sich sichtlich unter den Kleidern, 
und es finden sich häufige Beängstigungen, stetes und kurz vor 
einer neuen Blutung furchtbar starkes Herzklopfen, Schwäche, 
Schwindel, Leere und Wüstigkeit im Kopfe, stetes Sausen vor 
den Ohren, Schmerzen in den Schläfen und Oedem der. Füsse. 
Das Auge ist: matt, Gesicht und Haut sehen blassgelblich, und 
Lippen, Mundhöhle, Nasenlöcher und innere Augenlider gestal- 
ten sich wie im höchsten Grade der Cholera. Locomotiv ist der 
Kranke nur durch Andere, Kin Homöopath hatte neuerlich 3 
Pülverchen mit der Weisung gegeben, jede Compression und je- 
des Stypticum wegzulassen, und um den 5. Tag, eins davon auf 
die Zunge zu legen, da zergehen zu lassen und gelegentlich zu 
schlucken, worauf er geheilt seyn würde. Als ein Pulver ver- 
braucht. war, musste das Glüheisen von Neuem angewendet wer- 
den. Ein anderer Arzt hat zum BıneLLrschen Wasser gerathen, 
das auch innerlich und äusserlich gebraucht worden ist, doch 
nur empyreumatische Geschmacks- und Geruchswirkung hervor- 
gebracht hat. — Die Eltern des Kranken sind übrigens gesund 
und beide Grosseltern haben an ähnlichen Uebeln nicht gelitten. 
Eben 80. sind 3 erwachsene Geschwister des Kranken kräftig und 
wohl, 4 aber sind jung an gewöhnlichen Kinderkrankheiten ver- 
storben. -— Dieser Fall scheint sich an ähnliche früher von 
Nasse, ELsAEssER und THEInHARDT mitgetheilte Fälle anzurei-
	        
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