Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

II. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 329 
gegen seine immer noch angegriffenen Nerven das Seebad. — 
Von seltener Höhe waren die Nervenzufälle einer jungen, sehr 
reizbaren Frau. Das Uehel wurde in der‘ Schwangerschaft so be- 
deutend, dass die Frau das Bett nicht verlassen wollte, vor Al- 
lem entschiedenen :Widerwillen bekam, fortwährend speichelte 
und an den mannigfaltigsten Nervenzufällen litt, welche in den 
beiden vorigen Schwangerschaften nicht entfernt die jetzige Höhe 
erreicht hatten. Sanfte Analeptica, Nervina, Sorge für tägliche 
Leibesöffnung und angemessene Diät und Lehensordnung nahmen 
die Zufälle bis zum 5. Monate der Schwangerschaft weg. — Bei 
einer ältern unverheiratheten Dame, die schon eine Reihe von 
Jahren sich mit ausgebildeter Lungensucht schleppte, Ems und 
Salzbrunnen an der Quelle gebraucht hatte, wurde nach einem 
unzeitig gebrauchten Seebade Alles schlimmer. Zuletzt ging die 
Krankheit in Hydrops cellulosus, Ascites und Hydrothorax über, 
und die Kranke starb nach fast Sjähriger Dauer ihrer Krankheit, 
— Eine 67%jährige Frau wurde, der vorgerückten Jahre ungeach- 
tet, nach vorausgegangenen schlagflüssigen Zufällen und hinzuge- 
tretener Wassersucht noch beinahe zwei Jahre, erhalten. Schon 
im April 1831 litt sie fortwährend an Brustbeklemmung , Mangel 
an Luft, unbeschreiblicher Angst und gestörtem Schlafe. Die 
Erscheinungen waren überhaupt wie bei Brustwassersucht; je- 
doch lieferte. die akustische Exploration keine positiven Resultate. 
Einige Aderlässe, abführende und diuretische Mittel, besonders 
die Tinctur der Digitalis nahmen alle Zufälle bis auf das Fuss- 
ödem und die Entkräftung weg. Anfangs Octobers trat wieder 
Verschlimmerung ein. Mit der steigenden Brustbeklemmung wurde 
der Puls stürmisch und unregelmässig, die Harnabsonderung spar- 
samer und das Oedem beträchtlicher. Bei der Exploration hörte 
man ein dunkeles Schwirren im Verlaufe.der Aorta thorac. asc., 
weshalb man ein Aneurysma vermuthete. Jedoch entdeckte man 
später im rechten Hypochondrium unter den falschen. Rippen, 
aus der Tiefe hervortretend, eine harte, eirunde Geschwulst von 
der Grösse eines Kindeskopfes, welche so lag, dass die Leber 
nach oben gedrängt seyn musste. Die Geschwulst liess sich be- 
wegen, war nicht schmerzhaft und pulsirte nicht. Die allgemei- 
nen Krankheitserscheinungen nahmen zu; die Wassersucht er- 
reichte einen hohen Grad. Dennoch setzte sich im Januar 1832, 
nach dem Gebrauche eines Dinreticums, die GescHwulst plötzlich, 
und man sah nun einen äusserst abgemagerten Körper. Auch 
stellte sich ein lästiger Tenesmus ein, welcher zum Theil von 
der Geschwulst im Unterleibe, zum Theil von einigen grossen 
Hämorrhoidalknoten abhängig zu .seyn schien. Opiate beseitigten 
zwar dieses Symptom; allein die allgemeine Unruhe steigerte 
sich, und es trat ein fast anhaltendes Delirium mite ein. In der 
Gegend des Steissbeins entstand Decubitus, und die grosse Er- 
Schöpfung der Kranken liess den Tod erwarten, als sie unverse- 
hens bei dem Gebrauche leichter Analeptica sich erholte: ihr
	        
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