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V. Gynäkologie und Pädiatrik.
Ungeachtet aller Mühe konnte H. gegen diese so tief in den Or
ganiemus :eingreifende Metamorphose nichts ausrichten, und 4
Kranke gebrauchte nun mehrere andere Aerzte, doch auch €
folglos. Nachdem H. 11 Jahre von der Kranken nichts mehr 8“
hört, wurde er eines Tages wieder zu ihr gerufen und fand ®®
in einem höchst beklagenswerthen Zustande. © Ausser dem scho
früher Bemerkten war jetzt der Unterleib viel stärker und b#6
eine fluctuirende Materie, die H. durch den Trokar entleert®
und die in 12 Messkannen eines blutigen Serums bestand. Dies
Operation musste er unternehmen, da die ‚von schreckliche
Schmerzen gefolterte Leidende wiederholt bat, ihr die letzte!
Stunden zu erleichtern. Nach dieser Operation lebte‘ sie noch
6 Tage, worauf sie ‚sanft und schmerzlos entschlief, Bei de
Section Tags darauf zeigte sich nach Eröffnung der Bauchhöhl®
ein sehr feites Netz, nach dessen Zurückschlagen der zur en0r
men Grösse ausgedehnte Uterus: sogleich zum : Vorschein k®'
Unterhalb des Orificium abgelöst, hielt derselbe 21: Pfund Civil“
gewicht. Die vordere Fläche bestand aus einigen und zwanzf
grössern und kleinern Fettgewächsen, ‚bis. zur Grösse einer Mann®”
faust , die die äussere Haut des Uterus zur Bedeckung hatiel
und mit dem schönsten weissen Fette, wie Unschlitt, angefüll
waren, Die hintere Fläche war weiss, überaus glatt und gl”
zend. Beim Durchschneiden derselben vom Fundus bis zum 0”
Jicium uteri erschien die Substanz sehr fest und gegen 1} Zoll
dick. Die Höhle des Uterus war mit lorbeerbrauner, geruchl?
ser Substanz gefüllt, die in der Mitte eine haselnussgrosse ver‘
tiefung zeigte. Hier erschien aber diese Substanz mehr schwar?“
braun und ging bis zum Orificium uteri, wo ‚sie die Werkstätt®
des alle 4 Wochen ausfliessenden Schleims gebildet hatte. - D'9
ersterwähnte braune Substanz war fibrös, doch konnte man keir®
Fiber 2 Linien weit verfolgen; sie stellte ein in sich verwirrt®
Gewebe von unzähligen Fasern dar. Die Ligam, lata et rotunds
waren bedeutend verlängert und sehr fest, die Ovarien verhärteb
die Tubae Fallop. klein, verschlossen, der Muttermund rund
wenig geöffnet, und aus demselben floss gallertartiger Schlei®-
Die übrigen Unterleibsorgane waren ohne Abnormitäten,. einig®
jedoch verkümmert und aus ihrer Lage gedrängt. Brust- und
Kopfhöhle wurden nicht untersucht. — 17 Jahre hatte die Krank®
die unsäglichsten Schmerzen erduldet, und zu verwundern ish
wie unter solchen Verhältnissen das Leben so lange bestehe
konnte. Hinsichtlich der ursächlichen Momente dieser Degen
ration ‚konnte nichts Genaues ermittelt werden. Ob diese Fral
wieder concipirt hatte und dies die Veranlassung gab, bleibt eip®
wohl nicht leicht zu beantwortende Frage. . Sonstige frühere St
rungen in den Katamenien oder andere Dyskrasieen konnten nicht
nachgewiesen werden. [v. Gräfe's u, v. Wulther’s Journal für
die Chirurg. u. Augenheilk., Bd. 19, Heft 4] - . (K—e.) .
223. Geburt eines Monopoden; mitgetheilt vom Hoff