Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

Ill. Chirargie und Ophthalmologie. 181 
chen, doch wurde die Sechkraft täglich schwächer und endlich 
konnte er keinen Gegenstand mehr ‚unterscheiden. Nachdem er 
sich in diesem Zustande 6 Monate befunden hatte, begab er sich 
Behufs einer gründlichen ärztlichen Behandlung nach Trier, wo 
er anfangs dieselben Mittel, die er schon früher bekommen, von 
Neuem bekam. Ausserdem wurden Vesicatorien angewendet und 
die Eiterung derselben unterhalten, auch ein Augenspiritus zum 
Verdunsten vor den Augen verordnet. Da auch diese Mittel ohne 
Erfolg blieben, verlor der Kranke fast alle Hoffnung, wendete 
sich aber doch später noch an O0. Als dieser den seit einem 
halben Jahre ganz Blinden untersuchte, sprachen für veraltete 
Amaurosis rheumatica folgende Zeichen: die Pupille war völlig 
rein, von normaler Grösse, die Iris starr, beim Eindringen des 
Lichts.in die Augen thränten dieselben, es fand sich Lichtscheu 
und ein bis nach den Zähnen sich verbreitender, reissender, her- 
umirrender Schmerz in der Angengegend, der Orbita und dem 
Bulbus mit bedeutendem Herabhängen des obern Lides, auch 
war ein eigenthümlicher unsicherer Blick nicht zu verkennen. 
0. legte ein grosses Setaceum, verordnete 8 Tage, und zwar einen 
Tag um den andern, 6 Gran Kalomel mit einer halben Drachme 
Pulv. rad. Jalap., dann aber Früh und Abends einen halben Gr. 
Extr., aconit., liess strenge Diät halten und das Licht mei- 
den. Nach 3 Wochen erfuhr der Verf., dass der Kranke auf 
der Rückreise, nachdem er sich einige Stunden aus seiner Woh- 
nung entfernt hatte, unwillkührliche Neigung, öfters auszuspeien, 
bekommen habe, die bis zum fast Unerträglichen überhand ge- 
bommen und noch anhalte. Die Pulver wären verbraucht; das 
Haarseil liege noch und es werde täglich viel Eiter abgesondert, 
der Ausfluss aus dem Munde rieche unerträglich, der Stuhlgang 
sey regelmässig, der Kranke sehr schwach und seit einigen Ta- 
gen glaube er Lichtempfindung zu haben. Da der Kranke seit 
8 Wochen innere Mittel nicht mehr verbraucht, eins von den 
Kalomelpulvern aber erst am 2. Tage nach. seiner Rückkunft ge- 
nommen hatte, so nahm O. an, dass der Speichelfluss in Folge 
des Haarseils entstanden sey, und wurde in dieser Ansicht be- 
stätigt, als 3 -Tage nach Wegnahme des letztern der Speichel- 
fluss fast ganz verschwunden war. Da O. die Salivation für gün- 
stig hielt, verordnete er nun zur Linderung der Mundschmer- 
zen ein Gurgelwasser aus Inf. hb. salv. mit Honig und Essig, 
und liess die Abführungen weg. Innerlich aber liess er 3 Mal 
täglich 2} Gr. Extr. pulsat. nigricant. nehmen und dabei Tinct. 
canth, und Spir. rorism. compos. ana mehrere Male des Tags 
In Augenbraungegend und oberes Lid einreiben. Das Setaceum 
blieb liegen. Da die Pulsatilla, wie bekannt, stark auf die Spei- 
Cheldrüsen wirkt, so liess sich erwarten, dass die Salivation stär 
ker werden würde, wofür der Verf. keine Scheu hatte. Nach 
14 Tagen liess der Kranke melden, dass er seit einigen Tagen 
Gegenstände wie durch einen Flor unterscheide, die Salivation
	        
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