Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

HI. Chirurgie ‚und Ophthalmologie. ‚Ha 
serung in Contractur der Wadenmuskeln erkannt Hatte, beschloss 
er als letztes Mittel die Durchschneidung der Achillessehne: vor- 
zunehmen, zu der er auch am 28. Februar 1831 schritt; ‘ Der 
Kranke sass vor ihm anf einem Tische, indem er ihm die linke 
Seite zuwendete, ein Assistent fixirte das Knie und ein zweiter 
fasste den Fuss und flectirte ihn so, dass starke Anspannung der 
Achillessehne entstand. Sr. selbst stiess ein spitzes, gekrümm- 
tes und ganz schmales Fistelmesser 2 Zoll oberhalb der ‘Inser- 
tion der Sehne zwischen dieser und der Tibia ein, den Rücken 
des Messers gegen dieselbe gekehrt, die Schneide so nah an der 
Sehne, dass dieselbe schon beim Durchdringen: des Instruments 
mit krachendem Geräusche getrennt wurde. Die Absicht, mög- 
lichst kleine äussere Wunden zu‘ machen, um Zutritt der‘ Luft, 
Eiterung und Exfoliation der Sehne zu verhüten, hatte ‚der Verf, 
80 Yollkommen erreicht, dass die Spitze des Messers an der ent- 
gegengesetzten Seite nur eben herausgedrungen war, ‘ohne eine 
blutende Wunde zu verursachen, und an der Einstichsstelle hatte 
sie nur Klingenbreite, Die Achillessehne hatte sich durch die 
vom Gehülfen bewirkte kraftvolle Beugung des Fusses gegen‘ die 
Schneide angedrängt und war so, ohne eine ihrer Lage entspre- 
chende Hautwunde, getrennt worden; Die Blutung war sehr ge- 
ring, eben wo die spontane ‘Zurückziehung der Achillessehne; 
durch Flexion des Fusses entstand aber ein Abstand von } Zoll 
Zwischen den Enden, ohne dass die Form des Fusses wesentlich 
dadurch verbessert wurde. Durch Extension des Fusses wurde 
diese Lücke völlig wieder ausgefüllt, so dass beide Enden in ge- 
naue Berührung kamen. Die beiden kleinen Wunden‘ wurden 
durch englisches Pflaster geschlossen, und man legte zu beiden 
Seiten der Achillessehne schmale Longuetten, welche man mit- 
telst der ersten Touren einer Binde befestigte, die dann in aclıt 
Touren den Fuss umgab und ihm in Extension erhalten sollte. 
Da Atrophie der Muskeln keine Verschiebung der Sehnenenden 
befürchten liess, hielt man es für unnöthig, eine Schiene anzu- 
legen. Die Extremität wurde mit der äussersten Seite: auf ein 
erhöhtes Kissen gelegt. Als man am 3. Tage den Verband ab- 
nahm, fand man die Hautwunden verklebt, die Sehnenenden et- 
Was geschwollen, gegen Berührung empfindlich und am innern 
Knöchel ein kleines Extravasat. Bewegungen des Fusses wirkten 
Nicht aufs obere Sehnenende. Am 6. Tage wurde der Verband 
wieder abgenommen. Das Extravasat hatte sich zertheilt , die 
Sehnenenden waren so mit einander vereinigt, dass vorsichtige 
Bewegungen des Fusses aufs obere Ende wirkten, indem sie das- 
Selbe anspannten und von der hintern Fläche der Tibia entfern- 
ten. Die Anschwellung der wieder vereinigten Sehnenpartie war 
kaum sichtbar, aber noch sehr empfindlich. Am 10. Tage nach 
der Operation war die Empfindlichkeit meist beseitigt und die 
beiden Enden hingen schon so fest zusammen, dass willkührliche 
Bewegungen des Fusses die Wadenmuskeln in Thätigkeit versetz-
	        
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