Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

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I. Chirurgie und Ophthalmologie, 
Nachstehender Fall dürfte wohl zur Unterstützung des Ausspru- 
ches dienen: nicht jede Verletzung des - Kniegelenkes erfordert 
Amputation. Ein 18jähriger, .bisher immer vollkommen gesunder 
Gebirgsbewohner hatte sich vor 33 Tagen beim Baumfällen ‚mit 
einer scharfschneidigen jlolzaxt so in:das linke. Knie gehauen, 
dass die Axt gleichsam stecken blieb und beinahe mit. einiger 
Gewalt zurückgezogen werden musste. Nur durch Ergreifen ei+ 
nes Baumstammes konnte er sich vor dem Umsinken bewahren 
und auf dem verletzten Fusse nicht mehr stehen. ‚Aus der Wunde 
floss viel klebrichte Feuchtigkeit aus, die nur anfangs. mit Blut 
vermischt war, und nach einigen Stunden schwoll das ganze Knie 
unter zunehmender Röthung bedeutend an, . Diese Erscheinun- 
gen mit brennender Hitze im Innern des Gelenkes bestimmten 
den Verwundeten, kaltes Wasser aufzuschlagen, was, da es einige 
Erleichterung brachte, den ganzen Tag fleissig fortgesetzt wurde. 
Tags darauf wurde der nächste Chirurg hefragt, der in heisses 
Wasser getauchte Compressen, so heiss sie: uur vertragen wur- 
den, verordnete. Mit dieser ‚Behandlung wurde nun 32 Tage 
fortgefahren, zugleich zu 2. verschiedenen ‚Zeiten jedesmal acht 
Blutegel gesetzt und eine. geistige KEinreibung 3 Mal täglich an- 
gewendet. Bei zunehmender Verschlimmerung wurde A, zu Hülfe 
gerufen. Er fand das verletzte Knie wenigstens noch einmal so gr08S8 
als das gesunde, die Geschwulst an der vordern und äussern 
Fläche war hart. und die Hant prall gespannt über die dieses 
Gelenk bildendey , sehr aufgetriebenen Knochenenden. Dagegen 
war die Geschwulst an dem imern Rande der Kniescheibe weich, 
nachgiebig und undeutlich fluetuirend, Jede Berührung und die 
geringste Bewegung des Schenkels steigerte die Schmerzen aufs 
Aeusserste,. und nur mit gegen den Körper angezogenem Ober- 
schenkel und etwas gebogenem Knie genoss der Kranke Linde- 
rung seiner Schmerzen. Ober- und Unterschenkel waren sehr 
angeschwoller, gegen. jede: Berührung ..empfindlich und geröthet, 
doch sah man nicht lebhafte KEntzündungesröfhe „..sondern,, beson- 
ders am Knie, ‚Abwechselung von blaurothen und aschgrauen Fle- 
cken auf missfarbenem Grunde, Nach aussen, ‚einige Linien vom 
Rande der Kniescheibe, war die fast einzollige Wunde, mit blass- 
rothen, aufgeworfenen wuletigen Rändern, schief von unten nach 
aufwärts und von aus - nach einwärts gegen dag (Gelenk eingedrun- 
gen.’ Aus ihr floss. viel‘ gelbe, mehr dünne, etwas. klebrichte 
Feuchtigkeit, die Synovia und schlechtes. Eiter: zu seyn schien. 
Kine Sonde konnte ungefähr 4. Zoll eindringen, dann- aber. we- 
gen heftiger ‚Schmerzen nicht weiter. gebracht werden.. Aus der 
Jängern Daunes. der Krankheit und aus den ‚Erscheinungen ergab 
sich, dass man es hier; nicht mehr Rllein mit dem Stadium... der 
Kutzündung, sondern bereits mit im Innern .deg Gelenkes wohl 
schon wei£ vorgeschrittener und weit ausgedehnter Kiterung zu 
i1hun habe. Die Prognose musste mehr als. zweifelhaft gestellt 
werden, besonders da das echon 5 Wochen anhaltende schmerz-
	        
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