Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

I. Pathologie, "Cherapie und medicinische Klinik. ‘ 138 
ken Arme zur Ader. An demselben Tage genoss er, wie gewöhn- 
lich, spirituöse Getränke, Tags darauf aber wurde er von einem 
Bekatnten im: Scherze gerade im Ellenbug, wo die Aderlass- 
Wunde sich befand, recht kräftig gefasst, wodurch Schmerz ent- 
stand, wegen dessen er sich die Binde recht fest um’s Glied le- 
gen liess, Der Schmerz wurde dadurch nicht gemindert, son- 
dern der Arm entzündete sich um die Venenwunde bedeutender, 
schmerzte mehr als Abends zuvor, und es liess sich ans der Ve- 
Nenwunde eine eiterartige Flüssigkeit drücken. Das übrige Be- 
finden war ungestört, der Kranke verrichtete seine Geschäfte 
und hielt keine Diät. Als im Laufe des Tages die Schmerzen 
Stiegen, wurde, doch ohne besonderen Erfolg, GovLaRo’sches 
Wasser aufgeschlagen und bei immer zunehmenden Schmerzen 
ein Arzt gerufen, der den ganzen Arm sehr, aber nicht ödema- 
tös, angeschwollen und schmerzhaft fand und die Entzündung 
von der Aderlasswunde längs dem Laufe der Venen und Lymph- 
gefässe sich erstrecken sah. Zu dem örllichen Leiden war nicht 
bedeutendes Fieber mit Athmungsbeschwerden hinzugekommen, 
das den Kranken an’s Bett fesselte. Allgemeine antiphlogistische 
Behandlung, Blutegel auf die Brust und passende äussere Mittel 
auf den entzündeten Arm milderten wohl etwas diese Zufülle, 
konnten sie aber nicht ganz heben. Es bildeten sich später um 
das sehr angeschwollene Handgelenk mehrere, helle Flüssigkeit 
enthaltende ‚Blasen, das Allgemeinbefinden wurde schlechter, die 
Athmungsbeschwerden stiegen, die Kräfte sanken zusehends, das 
Fieber wurde nervös, ohne dass jedoch Delirien sich einstellten, 
und unter Zunahme der Erscheinungen, wie‘ sie bei Venenent- 
zündungen mehrfach beschrieben sind, erfolgte bei nicht gemin- 
derter Entzündung des Arms der Tod am 9. Tage nach der Ve- 
Näsection und am 7%. nach entstandener Entzündung. Bei der 
Section bot die Brust- und Bauchhöhle nicht das geringste Ab- 
Norme dar, selbst in der Höhle der Pleura fand man. kein Ex- 
travasat, noch sonst eine Spur von Entzündung. Die äussere 
Besichtigung des leidenden Arms zeigte ihn sehr geschwollen, 
fast um ein Dritttheil dicker, als den rechten, dunkelroth, sehr 
hart und fest. Die Hautbedeckungen waren sehr verdickt und 
hart und wurden von der noch nicht geschlossenen äusseren Ader- 
lasswunde aus mit sorgfältiger Erhaltung aller, selbst der am 
Vorderarme verlaufenden Venen lospräparirt. Unmittelbar unter 
den Bedeckungen fanden sich im ganzen Zellgewebe des Vor- 
der- und Oberarms hedeutende  Eiterablagerungen, die 'sich his 
I die Zellschichten Zwischen den einzelnen Armmuskeln verfolr 
8en liessen. Die Wunde in der Medianvene war völlig geschlos- 
An und kein anderer naher Theil irgend verletzt. Sämmtliche 
Venen waren wegsam und keineswegs entzündet, nur die obern, 
Wie die Vena subelavia und axillaris von dickem, nicht mit Ei- 
ter vermischtem Blute strotzend angefüllt. Dagegen fanden sich 
die ganz unverleizten Art. brachialis, ulnaris und radıiulis mit
	        
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