Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

102 IV. ‘Chirurgie ‚und Ophthalmologie, 
zu Bregenz am Bodensee... Der diesen Fall liefernde Kranke. war 
ein 76jähriger, noch rüstiger und ziemlich robuster Häusler,.der 
sich nicht zu erinnern wusste, dass er je eine bedeutende. Krank- 
heit überstanden habe. Seine im hohen Alter gestorbenen El- 
tern waren ohne körperliche Gebrechen, sein vor mehreren Jah- 
ren verstorbener Bruder aber hatte.an der linken Seite des Hal- 
ses ohne bekannte Ursache eine Geschwulst gehabt, die nach 
und. nach so gewachsen war, dass sie endlich bis über die Ach- 
sel hinabhing, mehrere Pfunde wog und zuletzt als Erstickungs- 
ursache den Tod des immer. gesund gewesenen Landmannes her- 
beiführte. — Die Geschichte seiner Krankheit erzählte der Alte 
wie. folgt: vor 9 Jahren fällte er Holz und schleppte mehrere 
schwere Stämme auf dem Rücken weiter, wobei er plötzlich ei- 
nen starken Preiler unter der linken ‚Leistengegend verspürte, 
was aber für den Augenblick keine Folgen hatte. . Nach mehre- 
ren Tagen bemerkte er an dieser Stelle, unter . der Leistenge- 
gend längs des Samenstranges eine kleine, mit. ziemlichen Schmer- 
zen auftretende Geschwulst. Die Schmerzen verschwanden bald, 
ohne dass etwas angewendet wurde, die. Geschwulst aber blieb, 
und bald bemerkte er, dass sie sich nach abwärts bis gum lin- 
ken Hoden fortpflanzte. Wie dieser an Grösse zunahm, schwand 
sie am Samenstrange bald ganz. Diese Zunahme wurde mit je 
der Woche deutlicher, ohne dass sich dabei der geringste Schmerz 
fand. . Aufmerksam auf die. schon beträchtliche Vergrösserung 
befragte der Kranke mehrere Wundärzte, die das Uebel sämmt» 
lich für Hydrocele hielten und zur Operation riethen, die jedoch 
nicht zugegeben wurde. Vor 3 Jahren, als die. Geschwulst schon 
so gross wie der Kopf eines 6 bis Sjährigen ‚Kindes war, und 
er auch durch Herabhängen der schweren Geschwulst spannen- 
den Schmerz längs des Sameustranges fühlte, ‚wodurch er zu 
seinen Geschäften untauglich wurde, entschloss er sich zur Ope- 
ration. Der Wundarzt, dem er. sich anvertraute, .machte einen 
6 Zoll langen Einschnitt von der linken Leistengegend nach ab- 
wärts gegen den Grund des Scrotums zu, wie. die Narbe nach- 
weist, durch die allgemeinen Bedeckungen in die Substanz der 
Geschwulst. Doch floss kein Wasser aus, sondern 2 Esslöffel 
dünnflüssiges, schwarzes Blut und eine weissliche, speckige Masse 
drängte sich vor. Der Operateur rief, dass er gefehlt habe, und 
brachte schnell die Wunde durch einige blutige Hefte in Verei- 
nigung.‘ Nach 14 Wochen war. sie ganz yernarbt, Von nun schien 
die Geschwulst an Grösse und Schwere noch schneller. zuzuuch- 
men, was den Kranken zwang, meist im Bette zu. bleiben, da 
ein. sehr zerrendes, schmerzhaftes Gefühl im Samenstrange, das 
sich durch den Leistenring in. die. Bauchhöhle erstreckte, nur 
in horizontaler Lage etwas nachliess. In der Geschwulst gelbst 
fanden sich nur wenig Schmerzen, und zwar’ nur zeitweise, plötz- 
liche, nicht lange anhaltende Stiche. Ausserdem hatte der Kranke 
über nichts zu klagen, als dass das Urinlassen sehr beschwerlich War,
	        
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