Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

Zi) 
IV. Chirurgie und Ophthalmologie. 
84. Bruch und Eindruck des Schädels ohne Tre- 
panation geheilt; mitgetheilt von Dr. ScHnuHR in Gumbin- 
nen. Eine kleine schwächliche 32jährige Wittwe wurde.am 10. 
Juni. 1830. von einem 6 Pfund ‚schweren Stück Stangeneisen, 
welches, als es durch Schläge mit einem Hammer von einer lan- 
gen Eisenstange getrennt werden sollte, sich plötzlich löste und 
einige 20 Fuss hoch in’ die Luft. geschleudert wurde, ‚auf den 
Kopf getroffen, , Sie fiel sogleich bewusstlos nieder und ‚blieb 
fast eine halbe Stunde bewegungslos; Der herbeigerufene Wund- 
arzt fand sie 3 Stunden nach dem Vorfalle noch betäubt und 
gegen. leichte äussere Eindrücke unempfindlich. Aus Nase und 
Ohren war Blut. geflossen, der Puls war langsam, klein, schwach, 
die Extremitäten kalt, das Gesicht blass, die Augen geschlossen. 
Am obern,. vordern Winkel des linken Scheitelbeins nach der 
Mitte dieses: Knochens zu befand ‘sich. ein 24 Zoll langer, fast 
überall 1 Zoll breiter, Eindruck,. der an beiden Enden abgerun- 
et erschien und daher fast eirund war, Der Wundarzt liess 
leich ein Pfund Blut,.. verordnete eine Sol, sal. Glaub. mit 
ir, Jiess unausgesetzt . kalte Umschläge über den Kopf ma- 
mn, gab die strengste Diät an. und liess die Verletzte, fern 
’allem Geräusch, in ein kühles Zimmer bringen. Tags dar- 
öffnete die Verletzte bisweilen die Augen, die Pupillen ws- 
erweitert, gegen das Licht wenig empfindlich, die Betäubung 
zugenommen, sie hörte gar nicht, der Puls war langsam; 
r” als am vorhergehenden Tage, die Extremitäten kalt, Urin 
‚ins Bett gelassen worden, Stuhl. aber. nicht erfolgt. .Ge- 
wulst. der Kopfhaut an der verletzten Stelle fand sich nicht, 
ch war die Kopfhaut nicht heiss. Wurde mit dem Finger leise 
auf die verletzte Stelle gedrückt, so griff die Frau mit der lin- 
ken Hand nach dieser Gegend. Unter diesen Umständen er- 
klärte der Wundarzt, dass es. nöthig wäre, den eingedrückten 
Theil des Schädels aufzuheben; dass dies aber ohne Trepanation 
nicht möglich sey, die jedoch von den Angehörigen nicht zuge- 
geben wurde. Es wurden daher die angegebenen Mittel auch 
am 12. fortgesetzt. Abends hatte die Verletzte die Augen ge- 
öffnet, einige Worte gesprochen, über den Kopf geklagt, war 
aber dann wieder in tiefen Schlaf verfallen. Am 13. früh fand S. 
die Frau noch soporös, die Augen geschlossen, die Pupillen er- 
weitert, gegen Licht wenig empfindlich, .das Gesicht blass, die 
Züge ruhig, die Respiration tief, langsam, seufzend, den Puls 
langsam, Hände und Füsse kalt, der Stuhl war noch werstopft 
und der Urin wieder ins Bett gelassen worden. Der Kopf fühlte 
sich nicht heiss an, die Kopfhaut um die Verletzung war nicht 
angeschwollen, nur in der Tiefe des Eindrucks liess sich unter 
der Kopfhaut mit den Fingern eine ausgetretene Flüssigkeit hip 
und her schieben, und man fühlte in der Mitte des Eindrucks 
die Bruchlinie des Knochens, einer Rinne gleich, an den Rän- 
dern des Eindrucks war dies jedoch nicht der Fall. S. bestä-
	        
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