Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

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V. Gynäkologie und Pädiatrik. 
kommt, und nur bei consecutiver zuweilen beobachtet wird, wo 
plötzlicher Austritt reizender Darmstoffe in den Unterleib durch- 
iringenden Schmerz und Geschrei erregt. Unter den begleiten- 
den Erscheinungen legt R. besondern Werth auf Physiogno- 
mie und auf Lage des Körpers, deren diagnostische Bedeu- 
tung im zarten Kindesalter um“ so wichtiger ist. Wo.das Ge- 
hirn frei blieb, fand der Verf. immer schmerzausdrückende Span- 
nung der Gesichtszüge, der, durch Runzelung der Augenbrau- 
nen, Ausdruck von Zürnen und Ernst beigemischt ist. Meist 
sieht auch das Gesicht, die Augen ausgenommen, dunkelgelb. 
Die Lage zeichnet sich durch grosse Ruhe und Unveränderlich- 
keit aus. Das in Darmkrankheiten, besonders Koliken, so häu- 
fige Anziehen der Beine an den Leib findet sich hier nicht. Die 
andern Symptome sind nicht beständig und unzuverlässig. So nimmt 
das Herz oft wenig Theil, picht nur in der chronischen, son- 
dern auch in der acuten Form, wo erst gegen Ende der Krank- 
heit der Puls frequenter wird. Die peristaltische Bewegung des 
Darmcanals bleibt zuweilen ungestört; häufig beobachtete R. Ver- 
stopfung, am häufigsten Erbrechen. Es ist also die Diagnose 
ex matula durchaus nicht zu entnehmen oder zu vergewissern, 
und Beschaffenheit der Exeremente und ihre Ausleerung , worauf 
bei Entzündung der Schleimhaut des Darmcanals 80 viel ankommt, 
ist bei Peritonitis nur zu beachten, wenn sich Complicationen 
finden. Wichtig aber in diagnostischer Hinsicht sind Typus und 
Intensität der Zufälle. Wer stets anhaltende Aeusserung: des 
Schmerzes, oder grelles Hervortreten der Erscheinungen erwar- 
ten wollte, würde sehr im Irrthum stehen. Nicht selten bricht 
der Leibschmerz paroxysmenweise aus. Dem Verf. ist ein Fall 
bekannt, wo bei einem Knaben Abwechselung von heftigem Schmerz 
und Ruhe mit Erbrechen und Öbstruction, einen berühmten Prak- 
tiker zur Annahme eines Volvalus verleiteten, die Section hin- 
gegen intensive Bauchfellgontzündung nachwies. Nicht weniger 
täuscht die Peritonitis, die mit gelinden Symptomen auftritt und 
einige Zeit hindurch verläuft, Unter diesen Umständen giebt 
Empfindlichkeit des Unterleibes gegen äussere Berührung, im 
ganzen Umfange, oder an einzelnen Stellen, noch die meiste Auf- 
klärung. Complication mit Entzündung anderer Organe trübt das 
Bild der Peritonitis' nicht selten. Am wenigsten ist dies noch 
bei Coexistenz einer Enteritis der Fall, wie sich ans folgender 
Becbachtung ergiebt: Ein Sjähriger, schwächlicher Knabe be- 
kam am 13. April. 1822 früh um 10 Uhr, nachdem er sich Tags 
vorher wohl befunden, Erbrechen, Diarrhöe und Leibschmerz. 
Da der Hausarzt krank war, euchte man nicht sogleich Hülfe. 
Erst am folgenden Abende, um 10 Uhr, wurde R. gerufen. Er 
fand den Unterleib etwas aufgetrieben, hart, heiss, äusserst 
schmerzhaft , besonders in der Inguinalgegend auch nicht die ge- 
ringste Berührung vertragend, nach Genuss der mildesten Dinge 
stellte sich augenblicklich Erbrechen ein, der Durst war uner-
	        
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