Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

190 IV. Chirurgie und Ophthalmotogie. 
die Condyli fühlte man sehr genau. Das eben erwähnte ein 
Speculum darsteltende Instrument brachte Sr. geschlossen ein, 
so dass der kleine Rand der obern Platte hinter die letzten Ba- 
ckenzähne des Oberkiefers zu liegen kam, und öffnete es dann 
durch anfänglich raschere, bei zunehmendem Widerstande aber 
kangsamere Umdrehungen der Schraube, indem er zuletzt zwi- 
schen jedes Viertels Umdrehung einige Augenblicke wartete, bis 
die dadurch hervorgebrachten Schmerzen wieder nachliessen, 
Bei den letzten Umdrehungen hörte man ein eigenes knarrendes 
Geräusch, als ob sich die Adhäsionen plötzlich gelöst hätten. 
Als die Platten des Speculums 'nur noch } Zoll von einander 
entfernt waren, machte auch die geringste Drehung der Schraube 
die heftigsten Schmerzen, weshalb St. von fernerer Extension 
abstand, doch liess er das Instrument noch eine Zeit liegen, so 
dass es im Ganzen 4 Stunde angewendet wurde. Dann nahm 
er das durch Ausziehen eines kleinen Stifts am Ende der Schraube 
schnell geschlossene Instrument sehr schnell; heraus, und der 
ihm assistirende Arzt machte dann mit schon vorher umwickel- 
ten Daumen das gewöhnliche Manoeuvre, die Einrichtung, wel- 
ches mit mässiger Kraftanstrengung gelang, während St. durch 
anmittelbaren Druck auf die Gelenkköpfe das Zurückweichen der- 
selben beförderte. Die Einrichtung geschah olıne alles Einschnap- 
pen; auch stand durch Muskelerschlaffung die untere Zahnreihe 
noch‘ etwas vor der obern, was sich erst nach einigen Stunden 
merklich. änderte und nach einigen Tagen ganz verlor, so dass 
die untere Zahnreihe wieder normal hinter der obern stand. Die 
Kranke konnte sehr schnell den Unterkiefer vollkommen wieder ge- 
brauchen und hat bis jetzt keine neue Verrenkung erlitten. — Um 
einer Beschreibung des gebrauchten Instruments überhoben zu 
seyn, hat der Verf. der Abhandlung die Abbildung beigefügt, 
anf die Ref. somit verweisen muss. Die Platten des Speculums 
sind mit dickem Leder belegt und das Ende der Schraube lässt 
sich aus dem untern Arme herausziehen, wenn man den Stift 
entfernt, der es festhält. Dies hat den Vortheil, dass man das 
Instrument sehr schnell schliessen und entfernen kann, ehe die 
Muskeln sich wieder zusammenziehen können, um sodann gleich 
die Daumen an seine Stelle zu setzen. — Die Junke’sche Er- 
findung für Einrichtung des Unterkiefers beruht übrigens auf ei- 
ner andern Idee. Die Arme des von Junke angegebenen Instru- 
ments bilden gleichsam einen Handgriff für den Unterkiefer, in- 
dem die eine Platte unterhalb des Unterkiefers liegt, die andere 
die Zahnreihe desselben umfasst und so das Einführen des Dau- 
men unnöthig, und die Einrichtung durch das Instrument mög- 
lich macht. Die Extension geschieht durch blosse Kraft der 
Hände. Für veraltete Fälle möchte daher wohl das von Sr. an- 
gegebene Speculum vorzuziehen seyn. Man kann dasselbe auch 
bei einfachen Verreukungen des Unterkiefers anwenden, da die
	        
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