Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

IV. Chirurgie und Ophthalmologie, : 489 
Fortsatz dieses Wirbels etwas eingedrückt, der linke Fortsatz 
etwas hervorstehend, die ganze hintere Gegend etwas angeschwol- 
len und jede Drehung und Beugung machte in der Gegend des 
dritten Halswirbels Schmerzen. Das Gesicht war aufgetrieben, 
der Puls voll, hart, frequent, der Durst gross, und seit der Ver- 
letzung war die Ausleerung nur einige Male durch Klystiere her- 
beigeführt worden, der Urin aber war regelmässig und ohne Be- 
schwerden abgegangen. Das Fieber exacerbirte Abenüs stark mit 
Delirien. Dass Subluxation des dritten Halswirbels und als Folge 
entzündlicher Zustand des Rückenmarks entstanden war, stand 
nicht zu bezweifeln, Um den dislocirten Wirbel zu reponiren, 
wurde der Knabe auf einen Stuhl gesetzt und von einem Gehül- 
fen an den Ohren die Extension, und von einem andern an den 
Schultern die Contraextension gemacht. Unterdessen bewirkte 
B. mit den zur Seite des dislocirten Wirbels angelegten Händen 
die Reposition ziemlich leicht, worauf sogleich der Kopf seine 
gerade Richtung wieder annahm, auch die Beugung nach vorn 
und die Drehung nach den Seiten freier wurde und weniger 
Schmerzen machte. Die secundäre Entzündung forderte eine 
14tägige strenge antiphlogistische Behandlung, worauf der Kranke 
völlig wieder hergestellt wurde. [Casper’s Wochenschr. für die 
ges. Heilk., 1833, Nr. 18.] (K— e.) 
267. Einrichtung einer doppelten Verrenkung 
des Unterkiefers am 35. Tage; von Dr. STROMBYER in 
Hannover. Der nachfolgende Fall ist der Mittheilung gewiss 
werth, da er den bisher sehr kurz gesteliten Termin der KEin- 
richtungsfähigkeit des verrenkten Unterkiefers um ein Bedeuten- 
des hinausrückt: ein 23jähriges Dienstmädchen verrenkte sich 
am 7%. Mai 1829 beim Gähnen die Kinnlade an beiden Seiten, 
Der Hausarzt verkannte den Fall, hielt das Offenstehen des Mun- 
des für Folge eines Krampfes und wendete 4 Wochen Opium, 
Einreibungen, Sinapismen u. s. w.an. Erst dann wurde von ei- 
nem andern Arzte die Luxation erkannt und die Einrichtung von 
ihm und später von 4 oder 5 andern, zum "Theil sehr robusten 
Aerzten versucht. Da aber dabei die Condyli nicht einmal zum 
Weichen gebracht wurden, kam Sr. auf die Idee, ein eigenes 
Instrument zur allmählichen Trennung der Adhäsionen, welche 
vermuthlich die Gelenkköpfe schon eingegangen, und zur Ermü- 
dung der Muskeln fertigen zu lassen, welches den 35. Tag nach 
entstandener Verrenkung angewendet wurde, Die untere Zahn- 
reihe stand damals etwas über einen halben Zoll vor der obern, 
beide waren über 1 Zoll von einander entfernt, die Lippen konn- 
ten jedoch ohne Anstrengung sich genähert werden, die Spra- 
che war schon wieder ganz deutlich geworden, das Kauen ging 
nur sehr unvollkommen mittelst der letzten Backzähne, das Schlu- 
cken indess vollkommen leicht. Die Vertiefungen vor den Oh- 
ren waren sehr deutlich, Geschwulst war nicht zugegen, uud
	        
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