Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

1474 IL Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
die Kranken konnten sich nun nicht mehr auf den Füssen erhal- 
ten und fühlten solche Schwäche im Kreuze und Zittern in.den 
steifen und contracten Füssen, dass sie schwankten und sich an 
etwas halten mussten. Ein ähnliches Gefühl fand sich auch in 
den Armen, wobei die Finger zusammengekrümmt und so starr 
und steif waren, dass sie mit aller Kraft nicht gerade gebeugt 
werden konnten. Dabei fanden sich die empfindlichsten Schmer- 
zen, am peinlichsten aber war ein Tag und Nacht nicht aufhö- 
render brennender Schmerz. in der Stirngegend. Bei einem 
Manne, den S. Nachmittags sah, und der auch starb,. war die- 
ser Schmerz 80 unerträglich, dass er Gott bat, ihn von dieser 
Pein zu erlösen. Das Bewusstseyn war dabei ungetrübt, und 
wirkliche Delirien fanden sich nicht vor. Das Gesicht hatte et- 
was Trauriges und Weinerliches, und der Mund war verzogen 
und immer voll Speichel aus den angeschwollenen Sublingualdrü- 
sen. Man sah es, wie schwer es dem Kranken wurde, die weiss 
belegte zitternde Zunge zwischen den wenig beweglichen Zahn- 
reihen hervorzustrecken , oder zu sprechen, was immer sehr un- 
verständlich herauskam. Dabei war die Präcordialangst die höch- 
ste, der Durst nicht zu löschen, die Haut brennend heiss, der 
Puls klein, langsam, unterdrückt. Diese ganze Symptomengruppe 
and der Verlauf der Kraukheit waren so eigenthümlich, dass sie 
mit andern Fieber - und Nervenzufällen wohl schwerlich zu ver- 
wechseln waren, Wo viel freiwilliges Erbrechen im Anfange 
der Krankheit zugegen war, oder wo man zeitig Brech- und La- 
xirmittel genommen hatte, was meist der Fall gewesen, verlo- 
ren sich allmählich die erwähnten Beschwerden, und mit der 3. 
Woche trat Genesung ein. Doch blieb ein kriebelndes, taubes 
Gefühl in den Fingern manchmal noch lange zurück und schwand 
erst in oder nach der 4. Woche völlig, so dass die Genesenen 
der Glieder wieder ganz mächtig wurden. [Casper’s Wochen- 
schr. f. d. ges. Heilk., 1833, Nr. 18] (K— e.) 
255. Bemerkungen über die Ruhrkrankheit;z von 
Dr. Jos. OnsErKa, Kreisphysicus zu Grätz in Steyermark.. Die 
Ruhr, welche Steyermark alljährlich heimsucht, brach 1830 im 
Juli und August in den entgegengesetzten Bezirken des Kreises 
epidemisch aus. Nach amtlichen Berichten wurden im Grätzer 
Kreise, welcher sich einer Population von 300,700 Köpfen er- 
freut, über 6000 Individnen von der Seuche befallen und 681 
getödtet. In einigen Districten kam schon auf 6, in andern bloss 
auf 50 Kranke ein Todter. Entfernung schädlicher Einflüsse, 
Lösung vorhandener Complicationen, Besänftigung des örtlichen 
Leidens des erkrankten Organismus und Regulirung der Kräfte 
desselben führte am sichersten zum erwünschten Ziele. — Vf, 
der seit 14 Jahren die Ruhr als Epidemie unter den verschie- 
densten Localverhältnissen beobachtet hat, spricht sich folgen- 
dermaassen darüber aus. Das Wesen der Ruhr ist ein specifi- 
scher Krankheitsprocess in den Schleim - und serösen Häuten der
	        
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