Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

160 II. ; Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
Aufgüsse, Der quälende Durst wurde durch kaltes. Wasser, schlei- 
mige Abkochungen mit Citronsäure und säuerlichem Syrup, manch- 
mal durch laue Aufgüsse von aromatischem: Thee beschwichtigt; 
nie wurden die Kranken durch Entziehung des Getränkes 'ge- 
quält. Das Erbrechen wurde anfangs begünstigt; später durch 
aromatische Aufgüsse mit einigen Tropfen von flüssigen Opiaten 
möglichst gestillt; der hartnäckige Durchfall durch Salep, Co- 
lumbo, Arnica und Dower’sche Pulver, durch schleimige Kly- 
stiere besänftigt oder zum Schweigen gebracht; die Krämpfe und 
Kolikschmerzen durch Reibungen,. Paregorica, Umschläge und 
durch Klystiere; die heisere Stimme durch Senf- oder Blasen- 
pflaster; die Harnunterdrückung durch Fenchel- und Wachhol- 
derwasser mit versüsstem Salpetergeiste besänftigt. Die gastri- 
sche Complication, vorzüglich nach Diätfehlern, . wurde durch 
Mixturen aus Ricinusöl, durch Manna, Tamarinden , Rhabarber 
u. 8, w.; die nervöse bei geschwächten und erschöpften Indivi- 
duen durch Nervina, Volatilia, bei vollblütigen und starken durch 
kaltes Wasser und Eis beseitigt. Letztere Substanzen wirkten 
vorzüglich in den schwersten Fällen, wo ein unlöschbarer Durst 
mit heftigem Verlangen: nach kalten Getränken. obwaltete, aus- 
gezeichnet günstig. Die Nachkrankeiten, als nervöse, gastrische 
und intermittirende Fieber, wurden nach den Regeln der Kunst 
behandelt. Während. sich genannte Mittel überall heilsam be- 
wiesen. (juvantia), schadeten (nocentia«) folgende: erhitzende 
Mittel, gleich anfangs verabreicht, Nichtanwendung des antiphlo- 
gistisch - diaphoretischen: Apparates, Mittelsalze, Kupfervitriol, 
Brechweinstein, Kalomel, selbst Opium, wenn es nicht gehörig 
indicirt war, Kanthariden, Phosphor, essigsanres Morphium, Chi- 
nin, Magist. Bismuthi, Ratanhia, heisse Dunst“ und Qualmbä- 
der, Einreibung flüchtig ätherischer Oele, der concentrirten mi- 
neralischen Säuren, Chlorräucherungen u. dgl. m. — Aus dieser 
Uebersicht des therapeutischen Verfahrens resultirt Verf., dass 
die Natur der ostindischen Cholera weder gastrisch, noch ner- 
vös, sondern einzig und allein congestiv-entzündlich ist. 
Sie ist nicht gastrisch, wenn wir sie als Epidemie betrach- 
ten. Jede Volksseuche, wenn sie nicht bloss ansteckend ist, hat 
in der Natur ihre Vorboten oder Begleiter, die einen -Rück- 
schluss auf das Wesen der Seuche gestatten. Was ging der Cho- 
lera voran? Reichthum, Luxus, Völlerei und allgemeine Sitten- 
verderbniss? Wie oft sah die Geschichte ganze Nationen in 
solche moralische Drangsale versunken, ohne dass sie von einer 
darauf folgenden epidemischen Cholera Meldung thut! Das alte 
Rom, welches unermessliche Reichthümer zusammengeraubt hatte, 
frass zu den Zeiten vor LucuLL. und Apıcıus in einem Gerichte 
das Mark zertrümmerter Provinzen, trank aufgelöste Perlen in 
schäumenden Pocalen, erschöpfte sich in allen Schandthaten und 
hatte trotz seiner höchsten Demoralisation keine Spur eines epi- 
demischen Gastricisma. Der:tief unter das Vich hinabgesunkene
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.