Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

396 I, : Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
heit nie beobachtet wird, und es waltet hier unverkennbar ein 
Mortificationsprocess der Schleimhaut vor, während sich in ‚der 
D. vorzugsweise entzündliche Exsudation. findet. Mit der Mund- 
fäule ist die D. bei einiger Aufmerksamkeit eben so wenig zu 
verwechseln, da jene sich gleich anfangs als scorbutisch - colli- 
quative Entzündung der Weichgebilde in der Mundhöhle charak- 
terisirt, wobei es nicht zur plastischen , Ausschwitzung kommt, 
Mit der phlegmonösen, mit Ausschwitzung verbundenen Tonsil- 
larbräune ist die D. auf keine Weise zu verwechseln, da die 
Pseudomembran bei dieser Bräune eine ganz andere Bedeutung 
hat und mit Zeichen der acuten Entzündung verbunden ist. Nach 
EMANGARD Soll ein ursprüngliches Erkranken der Schleimhaut 
des Magens und der dünnen Därme der D. zum Grunde liegen 
und dieselbe nichts, anderes, als eine nach oben verbreitete Ga- 
stroenteritis seyn. Diese Ansicht stimmt mit den meisten Er- 
scheinungen der D. überein, doch bedingen in vielen Fällen 
noch allgemeinere Ursachen, nämlich dyskrasische Säftefehler, 
das Uebel. Auch kann es durch ganz locale Einwirkungen, als 
ziemlich mild auftretende Affection, hervorgerufen werden. Nicht 
selten beobachtet man einzelne Fälle von D., wenn‘ Ruhren, 
gastrisch-typhöse Fieber und exanthematische Krankheiten epi- 
demisch herrschen. Auch sind sehr verbreitete katarrhalische 
Fieber der Ausbildung des Rachencroups günstig. — Genaue 
Würdigung der die D. charakterisirenden Erscheinungen. lässt 
über ihre Entwickelungsgeschichte ungefähr Folgendes feststel- 
jen: das Blut kann zwar plastische Stoffe in gehöriger Menge 
besitzen, doch ohne dass dieselben mit erforderlicher Innigkeit 
im Serum aufgelöst in ihm enthalten sind. Anomalieen der 
Art mögen bei Kindern und schwächlichen Individuen, bei bei- 
den freilich aus verschiedenen Gründen, nicht selten eine gleich- 
sam natürliche Anlage bilden, in andern Fällen durch epidemi- 
sche, oder noch häufiger durch temporär endemische Verhält- 
nisse begünstigt werden. Wenn nun mit ähnlicher Anlage ge- 
reizter Zustand der Gastrointestinalschleimhaut sich verbindet, 
der bis zur wirklichen Entzündung gesteigert wird, so muss 
nothwendig Kxsudation von plastischer Lymphe auf die entzün- 
deten Flächen erfolgen. Von einer Seite. nämlich üben entzün- 
dete Theile grosse, unverkennbare, organische Anziehungskraft 
gegen die plastische Lymphe des Blutes aus, von der andern Seite 
wird eben diese um so weniger gehindert seyn, je mehr die 
innige Verbindung des Faserstoffes‘ mit dem Serum des Blutes 
schon aufgehoben ist. Es kann also wirklich plastische Entzün- 
dungsform von den Magenwandungen ausgehen und sich nach 
oben verbreiten, indem sie Gebilde, in denen üppige Schleim- 
secretion das Austreten plastischer Lymphe schon an und für 
sich begünstigt, vorzugsweise befällt. Eben .'so gut aber 
kann, bei Gegenwart der angegebenen Grundlage, jeder Schlund 
und Mundhöhle betreffende Eutzündungsreiz unmittelbar Ausbil-
	        
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