Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

394 I. Fathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
vordere Zunge weiss und feucht, während die Wurzel. einen zu- 
sammenhängenden, dicken, gelblichen oder bräunlichen Ueber- 
zug hat. Mauchmal waren die ganze Mundhöhle, die innern 
Wandungen der Backen, das Velum palat., die Tonsillen und 
der‘ Schlund mit gleichförmiger, dicker Lage dieser membranö- 
sen Ausschwitzung bedeckt. Oft wurde letztere an den Man- 
deln und am Gaumensegel, vorzüglich an dessen Schenkelh, so 
zäh, dass die Ablösung erst nach 10 bis 14 Tagen begann. und 
bis gegen den 30. Tag die losgestessenen Fragmente, doch nur 
theilweise, ausgeworfen wurden. Selbst in solchen sehr hart- 
näckigen Fällen wurde das Entfernte bisweilen durch neue, aber 
meist dünne Membranbildung wieder ersetzt; Excoriationen und 
kleine, oberflächliche Geschwüre, namentlich auf der innern 
Haut der Wangen und Lippen schlossen sich oft im Verlaufe 
des Uebels demselben an. Sehr oft setzt dieser plastische Ent- 
zünduuvgsprocess sich in die Nasenhöhlen und in die Speise- und 
Luftröhre, fort, weshalb Guernsenr und A. eine Piphtheritis 
pharyngea, laryngea und ‚nasalis unterscheiden. Die PD. nasalis 
ist fast immer mit schmerzhaften Excoriationen der Schleimhaut 
der Nase verbunden, die: Kranken müssen mit offenem Munde 
athmen und bekommen eine Nasensprache, auch sickert aus der 
Nase eine scharfe Flüssigkeit aus, welche Entzündung der Um- 
gegend veranlasst. Die D. laryngea wird durch Heiserkeit, Hu- 
sten, Dyspnöe und Aphonie, die D. pharyngea durch erschwer- 
tes, ja selbst unmögliches Schlingen verratlıen, womit Brennen 
im Verlaufe dieses Canals verbunden ist, doch soll nach BArLLIE 
meist die Pseudomembran sich nur bis zum untern Ende des 
Schlundes erstrecken. In den gelindern Graden der Krankheit 
bleibt aber der Entzündungsprocess auf den Pharynx beschränkt. 
In andern Fällen breitet er sich offenbar auf Oesophagos, Ma- 
gen und Darmcanal aus, wie die schmerzhaften, von Erbrechen 
begleiteten Empfindungen im Epigastrium, zu denen sich manch- 
mal Durchfälle und Excoriationen am After gesellen, beweisen. 
Wahrscheinlich geht mitunter der ganze Entzündungsprocess von 
der Schleimhaut des Magens ans, da unverkennbare Localsym- 
ptome für ursprüngliches Leiden desselben sprechen. Je rascher 
der pseudomembranöse Ueberzug im Schlunde sich entwickelt, 
desto leichter wird verhältnissmässig das Schlingen, und der 
üble Geruch des Athmens nimmt ab, wogegen Erschöpfung der 
Kräfte und Neigung zur Colliquation immer mehr steigen und 
die Reaction sinkt. Daher ist oft das Fieber so unbedeutend. 
Oft wurde das Zahnfleisch schwammig, aufgelockert, blutend, 
und ein ähnlicher Zustand trat an den innern geschwollenen 
Wandungen der Wangen auf, auch entzündete sich manchmal 
die ganze innere Mundhöhle. Selbst die Zunge schwoll so be- 
deutend an, dass sie den hintern Theil des Mundes ausfüllte, 
und Stellen, wo Vesicantien gelegen, wurden brandig, und un- 
bedeutende Verletzungen gaben üble Geschwüre. Nicht selten
	        
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