Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

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IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
könne, die der Mensch zu seinen Zwecken unterhält, und die 
deshalb ihrem natürlichen Zustande entfremdet, durch Gefangen- 
schaft und Abrichtung auch wohl gleichzeitig verletzt, denen 
mehr oder minder edie Theile durch blutige Operationen geraubt 
werden, und die endlich, durch übermässige Anstrengung ihrer 
Kräfte, zu solcher KErhitzung des Blutes gelangen, dass nur 
krankmachende Stoffe aus demselben ausgeschieden werden’ kön- 
nen. Meist sucht man sich der Thiere aber zu entledigen, ehe 
ein solches Leiden sich ganz ausbildet, und da hierzu eine ge- 
wisse Dauer gehört, so sind die zu richtigen Beobachtungen sich 
eignenden Beobachtungen selten. Der von Hırrokrates als Ur- 
sache des Uebels angenommene psychische Kinfluss dürfte so- 
nach nicht als solcher, sondern mehr als die Entwickelung‘ der 
Kraukheit begünstigende Schädlichkeit zu berücksichtigen seyn, 
und wenn der Erfahrung nach die am Mutterkrebse Leidenden 
mehr oder weniger atrabilären Temperaments sind, bei denen 
fast kein Tag ohne heftige Gemüthsbewegung vergeht, so fragt 
sich, ob schwarze Galle oder melancholische Stimmung nicht 
eben sowohl Folge der in ihren Vorboten bereits Statt findenden 
carcinomatösen Veränderung, oder im Reize begründet ist, der 
von dem fremden, latent. im Blute vorhandenen Stoffe ausgeht. 
Uebermässiger Beischlaf, zu frühe Menstruation, Syphilis und 
profuser Schleimfluss der Vagina könnem im Allgemeinen auch 
nur als das Kmporkommen der Krankheit befördernde Schädlich- 
keiten, der Schleimfluss der Scheide aber auch noch in anderer 
Beziehung bei diesen Untersuchungen in Betracht kommen. Fast 
immer ist diese Blennorrhöe Vorbote der carcinomatösen Ent- 
artung des Mutterkörpers und es findet sich kein Grund, wes- 
halb sie hier nicht als kritische Secretion angesehen werden 
könnte, wodurch die Natur ihr Bestreben andeutet, sich des 
dem weiblichen Körper schädlichen Stoffes zu entledigen. Ja 
es ist sogar möglich, dass es meist der Natur gelingt, mittelst 
dieser Operation gänzliche Ausscheidung des Krebsstoffes zur 
Erhaltung des Lebens im Allgemeinen und derjenigen Theile 
insbesondere zu bedingen, die zu bedeutend für das Weib sind, 
als dass Reaction der dabei zunächst betheiligten Schleimhäute 
und Drüsen nicht zuvor beobachtet werden sollte, Hiernach 
glaubt S., dass, wo der Krebs wirklich zum Ausbruche kam, €s 
der Natur nicht gelang, auf diesem Wege das feindliche Princip 
zu entfernen, oder dass die Ursachen sich zu oft erneuert ha- 
ben. Meist kommt das Uebel zwischen dem 36, und 50. Jahre 
vor, und da diese Jahre eben das kritische Alter der Frauen in 
sich begreifen, so hat man die Decrepidität als Hauptursache 
des Carcinoms aufgestellt und wohl nicht ohne Grund, weil, so 
lange die Periode ordentlich erfolgte, abnorme Vegetation in den 
betreffenden Theilen verhindert wird, wogegen bei Unordnung 
oder Cessiren derselben, wegen häufiger Congestionen nach an 
aller Art von Gefässen so „reichen Gebilden, um so leichter
	        
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