Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

554 I. - Materia medica und Toxikologie. 
den. Der Verf. sah vom Einstreuen des Morph. acet. oft mehr 
palliativen Erfolg, als von andern gerühmten Mitteln. Doch 
stellte sich auch, besonders bei Kinderm in den ersten Jahren, 
solche Hinfälligkeit der Kräfte und soporöse Neigung ein, dass 
Gabe und Wiederholung des Morphium zu sehr beschräukt wer- 
den musste, um gültige Erfahrung über die abkürzende Kraft 
zu erhalten. Die Stelle anlaugend, wo hier das Vesicatorium 
gelegt werden muss, so ist es angemessen, ja selbst nöthig, die 
Exutorien am Nacken in der Gegend der ersten Cervicalwirbel 
zu eröffnen, um auf den Ursprung des Nerv. Vagus und Ac- 
ressorius kräftiger einwirken zu können. Uebrigens möchte, in 
sofern das Strychnin bei Affectionen der Bewegungsnerven "vor- 
züglich wirksam ist, der endermatische Gebrauch desselben im 
Keuehhusten dem Morphium vorzuziehen seyn, welche Bemer- 
kungen sich nicht auf den Keuchhusten allein, sondern auch auf 
das Asthma Millari beziehen. In Lähmungen, die durch Krank- 
heit der Centralorgane des Nervensystems bedingt waren, sah 
R. vom Strychuin im Allgemeinen keinen glänzenden Erfolg. 
Nach Sitz und Eigenthümlichkeit des Uebels war derselbe ver- 
schieden, wie sich aus zwei Fällen ergiebt, die Ref. hier, um 
nicht zu weitläufig zu werden, übergehen muss, Bei Rücken- 
markskrankheiten, die ausser den Muskelnerven auch den Sym- 
pathiens in das Bereich der Lähmung gezogen hatten und mit 
Tabes verbunden waren, oder, auf das Gehirn sich fortpflan- 
zend, Störung der Sinnesfunctionen und Intellectualität in ihrer 
Begleitung hatten, schlugen alle Versuche mit - der endermati- 
schen Methode fehl. Auch bei der durch Hirndesorganisation 
bedingten Lähmüng sah R. keinen Erfolg davon, und es bedarf 
hier bei ihrer Anwendung um so mehr Vorsicht, weil die Rück- 
wirkung des Strychnins stärker und schneller eintritt, wo der 
Krankheitsherd im Gehirn seinen Sitz hat. In 2 Fällen von 
Amaurose, gegen die LısroN, GUTHRIE, SHORTT U. A. den en 
dermatischen Gebrauch des Strychnins nützlich fanden, zeigte 
es sich ganz unwirksam. MNächst den Neurosen gaben chroml 
sche Lungenkrankheiten am häufigsten zu endermatischen Ver- 
suchen Gelegenheit, und die nur auf palliativen Erfolg gespannt 
ten Erwartungen wurden meist gerechtfertigt. In der Phthisi 
pulmon., im chronischen Katarrh, und in chronischer Bronchitis 
bediente sich der Verf. bei zu grosser Gewalt des Hustens dei 
Morph. acet. zu % bis + Gr. 2 Mal täglich, bei stockendem 
Auswurfe des Sulph. antim. aur. oder des Kerm. min. zu 1 bis 
2 Gr. p. d. Das 80 benutzte Morphium hatte vor dem ipnern 
Gebrauche des Opium voraus, dass es weder Expectoration noch 
Stuhlgang so leicht stopfte, doch stand es auch in hypnotischer 
Kraft dem Opium weit nach, 80 dass dieses keineswegs durch 
jenes entbehrlich wurde. Die wechselnde Anwendung hatte das 
Gute, die wegen Gewöhnung so oft nöthige Steigerung der 
Gabe des Opium bei Phthisis zu beschränken, In Wasser:
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.