Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

IL. Materla medica und Toxikologie. 353 
bei äusserm Druck, das Gesicht war blass, der Bau schmächtig 
und der Körper im letzten Jahre rasch gewachsen. PR. liess auf 
die schmerzhafte Stelle des Nackens ein Vesicator legen und 2 
Mal täglich 4 Gr. Morph. acet., doch ohne die geringste Bes- 
serung, einstreuen. Am 5. Tage verordnete er } Gr. Strychn. 
sulph., und stieg damit allmählich bis zu + Gr. Schon nach 2 
Tagen hörten die Zuckungen des Mundwinkels auf, und Convul- 
sionen des Arms fanden sich in der Nacht nicht vor. In 14 Ta- 
gen war das Uebel ganz gewichen. Im Aug. 1831 sah R. den 
Genesenen wieder.‘ Sein Ansehen war kräftig, und er konnte als 
Kupferschmiedlehrling schwere Arbeit verrichten. Dies musste 
zu weitern Versuchen mit der ’endermatischen Methode bei Cho- 
rea auffordern, wozu sich im Dec. v. J. zweimal Gelegenheit 
darbot. Der eine dieser Fälle war überdies durch Analogie der 
die Entwickelung der Krankheit begleitenden Erscheinungen mit 
dem eben erwähnten interessant. Auch hier ging dem Uebel, 
das bei einem 13jährigen scrophulösen Knaben vorkam, der im 
5. Jahre eine starke Kopfverletzung erlitten hatte, ein acuter, 
fieberhafter Zustand voraus, der jedoch intensiv war, für ent- 
zündliche Affection des Rückenmarks und Gehirns sprach und 
ein kräftiges antiphlogistisches Verfahren forderte, das binnen 
8 Tagen den gewünschten Erfolg hatte. Eine Woche darauf 
stellten sich aber convulsivische Bewegungen des Mundes, der 
obern und untern Extremitäten ein; der. Knabe zeigte beim Ste- 
hen und Gehen Unsicherheit und Schwanken, und die psychische 
Thätigkeit war aufgeregt. Nach einigen Tagen beschränkten sich 
die Zuckungen auf den Mundwinkel und rechten Arm und Fuss, 
und die Störung der Muskel- Association gab den Bewegungen 
den Anstrich von Verkehrtheit. Auch hier wurde ein Vesicator 
in den Nacken gelegt und das Strychn. sulph. anfänglich zu 4, 
später zu 4 Gr. zwei Mal täglich, doch ohne jede Wirkung, 
eingestreut, Morphium beschwichtigte die Convulsionen , konnte 
aber den psychischen Antheil nicht aufheben. Dreimalige kräf- 
tige Ableitung auf den Darmkanal stellte den Knaben her. Ganz 
unwirksam dagegen blieb die endermatische Methode im andern 
Falle, den ein 8jähriges Mädchen lieferte, wo neben Convulsio- 
nen der Extremitäten, Lippen und Augen die Sprache erschwert 
und die intellectuelle Fähigkeit dauernd gestört war. Hier min- 
derten weder Strychnin, noch Morphium die Zuckungen, ja sie 
ateigerten selbst die psychische Aufregung, mussten also nach 
14 Tagen mit andern Mitteln vertauscht werden. Diese Fälle 
bestätigten sonach, dass bei Affectionen des Gehirns die ender- 
matische Methode erfolglos, ja selbst schädlich ist, daher auch 
nicht bei den Chorea passt, die nicht bloss auf’s Rückenmark 
beschränkt, sondern auch von intellectuellen Störungen begleitet 
ist. — Unter den für diese Methode sich eignenden convulsi- 
vischen Krankheiten muss auch der Keuchhusten genannt wer- 
Summarium d. Medicin, 1833. V- 23
	        
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