Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

5313 I Pathologie, Therapie und medicinische Klinik; 
lasse, binnen 14 Tagen so ziemlich durch ein Infuso-Decoct 
von Digitalis und Althaea mit Liq. kal..acet., durch Pulv.. Do- 
WERT und die nöthigen Derivantia. Doch komte hier mit die- 
sen Mitteln nicht Alles gethan werden, die Radicalcur musste 
gegen die scrophulöse Affection der Lunge gehen, welche Phthi- 
sis tuberculosa drohte... Für einen solchen Ausgang sprach nicht 
bloss zurückbleibendes trockenes Hüsteln, gelindes Abendfieber, 
eigene Schwindsuchtröthe..u. s. w., nicht bloss die zur Austeckung 
mehrfach gegebene Gelegenheit, sondern vorzüglich das Daseyn 
jener berüchtigten Drüsenverhärtungen, die so oft am Halse und 
unter den Maxillen Phthisischer. vorkommen, und die sich schon 
bei der in Rede stehenden Kranken seit den Eutwickelungsjah- 
ren anfangs in gelindem Maasse gezeigt, später aber auffallend 
vergrössert hatten. Da der Verf. diese Halsdrüsengeschwülste, 
deren Natur und Bedingungen noch weitere Xrörterungen erfor- 
dern; zu denen wir im Originale mehrere nicht unwichtige Winke 
finden, nicht allein als Zeichen allgemeiner Scrophulosis,. son- 
dern speciell der der Lungen und eines baldigen Ausganges in 
Phthisis pulm, tuberculosa ansieht, so glaubte er auch in. die- 
sem Falle ein antiscrophulöses Heilverfahren einschlagen zu müs- 
sen. In Bezug auf das zu wählende Mittel schwankte er an- 
fangs zwischen Cicuta und Schwefel, gab aber endlich letzterem 
den Vorzug. Die Cicuta würde übrigens durch ihre narkotische 
Wirkung zugleich die alterirend -antiscrophulöse gedämpft und 
sich dem Zustande der Reizung herrlich angepasst haben, auch 
beschloss er sie zu geben, wenn der Schwefel nicht vertragen 
würde, der unstreitig das grösste Mittel bei scrophulös -psori- 
schen Metastasen ist, da er auf’s kräftigste nach aussen treibt 
und die Lungen durch sein sie ganz ausfüllendes und penetri- 
rendes Gas vor dem Reize des Oxygens schützt. Er reichte 
den Schwefel in Form des Pulv. pectoral, Ph. Hannov. (Br. Rad. 
Liq. Fol. Senn. ana 33), Sem. foen. Fl, sulph. rec. lot. ana 35, 
Sacch. alb. 3v]j. M. f. Pulv.) und liess davon 3 Mal täglich eine 
Drachme nehmen. Dieses Paolver führt bald gelind ab und stimmt 
so entschieden die Quellen um, aus denen sowohl das, was zum 
Gedeihen des Körpers, als was zu Wucherungen und Entartun- 
gen nöthig ist, fliesst. Unter genauer Beobachtung, ob etwa 
bei dem Gebrauche dieses Mittels vermehrte Irritation der Lun- 
gen sich verrathe, wurde bis auf 14 Drachme gestiegen, so dass 
täglich 2—3 breiige Stühle erfolgten. Schon nach wenigen Ta- 
gen ging alles besser, und es minderte sich besonders die Lun- 
genreizung, so dass die wegen derselben daneben gegebene Di- 
gitalis wegbleiben konnte. Nun wurde diesem Pulver immer 
mehr Schwefel in dem Maasse zugesetzt, als man von der Senna 
abzog, und als dies ungefähr 14 Tage mit immer besserem Er- 
folge geschehen war, zeigte sich plötzlich eine auffallende Um- 
änderung im ganzen Krankbeitsprocesse, die, so bedenklich sie 
auch aufangs schien, doch bald zu einem guten Ende führte.
	        
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