Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 325 
Verf. eine Diarrhoea cholerica, als zweiten eine Cholera simplex, 
als dritten die Cholera spastica, und ale vierten die Cholera as- 
phyctica. Die bekannten Anomalieen (z. B. fehlendes Erbre- 
chen, fehlender Durchfall) und Complicationen, z; B. mit Wür- 
mern) kamen auch hier vor. — Die Ausgänge der Krankheit 
waren hier grade so, wie sie in andern Ländern waren und uns 
schon längst bekannt sind. — Das Wesen der Cholera beruht 
auf einer, sich in höhern Graden der Lähmung nähernden und 
in diese auch oft übergehenden, Hemmung und Unterdrückung 
der gesetzmässigen Thätigkeit des Gangliensystemes, welche 
durch einen in den menschlichen Körper eingedrungenen, fremd- 
artigen und mit bestimmter Kraft wirkenden Reiz hervorgebracht 
wird. — Ursächliche Momente: Seit 3 Jahren herrschten 
die Wechselfieber allgemein; eine, in diesen hohen Gebirgsge- 
genden seit zwanzig Jahren nicht gesehene Erscheinung. Der 
sonst häufige inflammatorische Charakter machte dem nervösen 
Platz. Die Witterung war unbeständig, nebelig und nass: die 
Missernte hatte Hungersnoth zur Folge u. 8. w. Die Gelegen- 
heitsursache, welche bei so bewandten Umständen die verhee- 
rende Seuche hervorbrachte, war ein, seit 14 Jahren vom Gan- 
ges aus sich uns nähernder und uns endlich erreichender Cho- 
Jerastoff (?), man möge ihn Contagium, Miasma, epidemisch, 
tellurisch, kosmisch oder elektrogalvanisch nennen. Dass atmo- 
sphärische und klimatische, oder sogenannte epidemische Ein- 
flüsse sich bei der Cholera thätig bezeigen, beweist Verf. mit 
mehreren Beispielen. — Die Heilmittel,. welche dem Verf. die 
erspriesslichsten Dienste leisteten, waren im ersten und zweiten 
Grade der‘ Krankheit Dover’sche Pulver mit Magnesie, Diapho- 
retica; Reiben der Gliedmaarsen, warme Umschläge und Sinapis- 
men auf den Leib. «In den zwei höhern Graden der Krankheit: 
Brechmittel aus Ipecacuanha; allgemeine‘ und örtliche Blutentlee- 
rungen, kalte Umschläge auf den Kopf, Senfteige auf den Un- 
terleib und.in die Herzgrube, Die Brechmittel und Blutegel 
mussten zu wiederholtenmalen angewendet werden, um die. ge- 
wünschte Wirkung zu erhalterf. Elir. acid, Halleri, in einem 
Thee gegeben, that den Kranken sehr wohl, — Zwei sehr lä- 
stige Symptome für die Genesenden waren Singultus und Ischu- 
rie. Gegen erstern nützten eine schleimige Mixtur mit Kztr. 
hyosc. und Lig. ammon, anisatus, Blutegel und Sinapismen; ge- 
gen letztern Magnesia usta mit einem Velzucker., — Die zu- 
rückbleibende Schwäche wurde durch Rad, arnicae und Columbo 
mit Spirit. sal. dule., wie auch durch Diät gehoben. Versto- 
pfung erforderte Rheum; Würmer machten die Anwendung von 
Sem. santon., Rad. filicis maris und Rheum nothwendig. [ Med, 
Jahrbücher des k. k. österreichischen Staates, 1833, Bd. 13, 
Heft 2.) . ; (V—t.) 
186. Gleichzeitiges. Vorkommen von drei ver- 
schiedenen Exanthemen bei einem und demselben
	        
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