Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 323 
rein entzündliche, sondern mehr die entzündlich -katarrhalische u, 
entzündlich - rheumatische. Der eigentliche Jahrescharakter beur- 
kundete sich durch die vielfachen katarrhös., rheumat. u. gichtischen 
Krankheitsformen. Dahin gehören insbesondere katarrhalische und 
rheumat. Fieber, Wechselfieber, Brust- u. Unterleibsentzündungen, 
Ruhren und Brechdurchfällez bei Kindern Keuchhusten, Masern 
und häutige Bräunes endlich herrschten viel chronische Vebel. 
Da Störungen in den Verrichtungen des Hautsystems die allge- 
meinste Ursache war, 80 musste die Behandlungsweise diapho- 
retisch seyn, jedoch forderte ein vorhandener Zustand höherer 
Reizung im Blutgefässsysteme ein direet antiphlogistisches Ver» 
fahren. Als wahre Volkskrankheiten herrschten Masern, Keuch- 
husten, Scharlach, Wechselfieber und gastrisch - nervöse Fieber. 
Die Masern waren gutartig und wichen einer einfachen Be- 
handlungsweise: von 2889 starben 20. Der Keuchhusten 
war rein convulsivisch, nur in seltenen Fällen und bei sehr voll- 
saftigen Individuen entzündlich. In diesen Fällen musste das 
angemesen herabstimmende Heilverfahren angewendet werden, 
während gewöhnlicher Weise besänftigende und die krankhafte 
Wirksamkeit der Nerven umstimmende Mittel am rechten Orte 
waren. Von 1493 Erkrankten gingen 88 verloren. Auch das 
Scharlachfieber gehörte zu den gutartigen Epidemieen und 
liess eich mit mässig antiphlogistischen , gelind auflösenden und 
diaphoretischen Mitteln gut behandeln. Unter 1%%7 Scharlachpa- 
tienten kamen bloss 5 Sterbefälle vor, und auch diese waren erst 
durch Nachkrankheiten veranlasst worden. Die Wechselfie- 
ber waren meist von dreitägigem Typus und herrschten vom 
April bis zum Winter hin. Am heftigsten und bösartigsten war 
die Seuche im Bezirke Schwertberg, wo sie von 382 ergriffe- 
nen Subjecten % tödtete. Der Tod erfolgte durch die übermäs- 
sige Heftigkeit der Paroxysmen, gewöhnlich während des Ueber- 
ganges vom Stadium des Frostes in das der Hitze, theils durch 
Apoplexie, theils durch Stickfluss, und zwar oft schon beim 3. 
Anfalle. In den Leichen fand man jeder Zeit bedeutende An- 
sammlungen von Blut in den ediern Organen, bisweilen sogar 
Berstung einzelner Gefässe daselbst mit Blutergiessung; immer 
aber mit den Erscheinungen tiefer und weit verbreiteter Ent- 
zündung. Die entzündlichen Formen dieser Fieber erforderten 
den entzündungswidrigen Heilapparat, und also auch Blutentzie- 
hungen, im weitesten Umfange. Gastrische Fieber mit vor- 
herrschender Neigung, nervös zu werden, kamen im Frühlinge 
und Herbste bei 112 Individuen vor, und waren Folge vor 
schlechter Nahrung bei gleichzeitiger schwerer Arbeit. Sie wa- 
ren pituitöser Natur, langsamen Verlaufs und durch Erschöpfung 
der Nervenkraft nicht gefahrlos. Frühzeitig gegebene Brechmit- 
tel, bitterstoffhaltige Arzneien mit wersüssten Mineralsäuren wirk- 
ten am wohlthätigsten, vermochten aber in 12 Fällen nicht, die 
Kranken zu reiten. Menschenbliattern kamen bloss spora- 
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