Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

294 Ill. Materia medica und Toxikologie, 
sich nur in diesem, sich an Bett , Tisch und Stuhl haltend, lang- 
am und unsicher fortbewegen. Am 19. Sept. 1832 verordnete 
derselben RB. Tinct, Agaricei muscarüi — Aurant, ana 3}. 
M. S. Alle 2 Stunden 20 Tropfen in einem Löffel Wasser zu 
nehmen. Nach 24 Stunden fühlte sich die Kranke von diesem 
Mittel sehr angegriffen und verspürte in allen gelähmten Thei- 
len heftige Schmerzen. Die Harnabsonderung war viel stärker, 
als früher, der Urin trübe, molkig, aber, von keinem besondern 
Geruche, und es stellte sich Magenschmerz und Neigung zum 
Erbrechen ein, Am 21. Sept. wurde die. Kranke so schwach, 
dass 24 Stunden die Arznei wegbleiben musste... Vom 23. aber 
wurde die Tinctur gut vertragen, und nun alle Tage um 2 Tro- 
pfen gestiegen, bis man zu 40 Tropfen kam. Am 6, Oct, blieb, 
da sich allmählich mehr Besserung einstellte, und da die Kranke 
die Tropfen ganz gut vertrug, die Pomeranzentinctur weg, und 
es wurde nun die Fliegenschwammtinctur allein alle 2 Stunden 
zu 40 Tropfen genommen. Es stellte sich hierauf Durchfall, 
sehr schmerzhaftes Ziehen in den gelähmten Theilen, Ergriffen- 
geyn des ganzen Körpers und Abends Frost und Hitze ein. Doch 
dauerte dies nur. 2 Tage. Die Tinctur wurde dann gut vertra- 
gen, da sie aber dem Körper gewohnt zu werden schien, wurde 
am 18, Oct. der als wirksamer empfohlene Fliegenpilzessig und 
zwar ebenfalls alle 2 Stunden zu 40 Tropfen angewendet. Er 
wirkte weniger angreifend, doch auch wohlthätig auf die gelähm- 
ten Theile der Kranken, die, bald allein, ohne sich anzuhalten, 
ziemlich gerade und fest im Zimmer herumgehen konnte. Vom 
3l. Oct. an wurde, da die Besserung wieder still zu stehen 
schien, der Fliegenpilz in Substanz und zwar auf folgende Weise 
gereicht: PX. Agaric. muscar. pulv. gr. v, Sacch. alb. 93. Mi 
Dent. tal. dos, No, xjj S. Anfangs 3 Pulver, später 4 in Was- 
ser zu nehmen. Nachdem diese Pulver . ununterbrochen 4 We- 
chen genommen worden waren, war ‘auch die Lähmung ganz. ge- 
hoben. Die Kranke macht jetzt in der Nähe. des Siechhauses 
Spaziergänge und ist jetzt (Febr. d..J.} noch gesund. Die 2, 
Kranke war 54 Jahre alt, ledig und seit Jahren an den untern 
Gliedern apoplektisch so gelähmt, dass sie zitternd und selbst am 
Stocke unsicher ging. Sie musste die Cur, der die eben erwähnte 
Kranke unterworfen. wurde, mitgebrauchen, verspürte auch an- 
fänglich Schmerzen in den gelähmten Theilen, und ihr Gang 
besserte sich so, dass sie beim Gehen. im Zimmer den Stock 
ablegte , doch verfiel sie bald wieder, obgleich der Pilz. in Sub- 
stanz in steigender Gabe genommen wurde, in ihren, frühern 
Zustand und befindet sich gegenwärtig. noch in demselben. :: Das- 
gelbe fand bei der dritten Kranken, einer‘ ö9jährigen. Wittwe, 
Statt, die seit einem Jahre an halbseitiger Lähmung, als Folge 
eines nach Erkältung bekommenen Schlaganfalles gelitten hatte 
und durch indirecte Mittel gebessert, aber nicht geheilt worden 
war. Die 4, Kranke, welche diese Cur mitmachte, war. eine
	        
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