Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

244 Il. Pathologie, Therapie und medieinische Klinik. 
zurückgebracht. Hier wüthet und tobt er, zumal wenn ihm 
Hund oder Katze zu nahe kommt. "Tags darauf sieht ihn. Verf, 
und giebt ihm Wasser, welches er trinkt. Der’ Puls ist ruhig, 
die Haut natürlich, der Appetit ist gut. Drei Tage lang .be- 
kommt er jede Stunde 1 Gran Kıtr. hyoscyami. Darauf treten 
lange Intervallen, und am 4. Tage beständige Ruhe ein. Pa- 
tient, der kein Säufer ist und ähnliche Zufälle nicht kennt, be- 
fand sich wohl und ging den 5. Tag an seine Feldarbeit. — 
Eine Wittwe, 50 Jahre alt, von blasser Gesichtsfarbe, schmäch- 
tigem Körper und mit einem melancholischen Gesichtszuge, 
bekommt zwei Stunden, nachdem sie Abends 9 Uhr noch einige 
Schlehenbeeren genossen hatte, Aufstossen, Erbrechen, Magen- 
schmerzen, Zuckungen und allgemeine Krämpfe der Gliedmaas- 
sen, wobei das Bewusstseyn fehlte. Sie hatte bisher nie an 
Krämpfen gelitten. Nur mit Mühe konnte man einen Löffel 
zwischen die Zähne bringen, so fest war der Mund :geschlos- 
sen. Man giebt Magnesia carbonica, dann Milch, dann. warmen 
Chamilienthee, und endlich ein Brechmittel. Die Krämpfe legen 
sich, das Bewusstseyn kehrt zurück. Tags darauf grosse 
Schwäche, Man verordnet ein Infusum wvalerianae mit Magne- 
sia carbonica. Gegen Abend findet sich Appetit und am andern 
Morgen ist Patientin wohl. Allein den Abend desselben Tages 
wird sie närrisch , springt zum Fenster hinaus u. s. w., sieht 
alles schwarz an. Noch am andern Morgen lässt sie den Arzt 
rufen, lacht ihm in’s Gesicht und erklärt sich für wahnsinnig. 
Der Puls ist normal, die Haut natürlich, der ‘Appetit gut. Sie 
bekommt stündlich 2 Gran Kırtr. hyosc. und 1 Gran Kampher. 
Nachmittags tritt Ruhe und zweistündiger Schlaf ein. Tags dar- 
auf war sie vollkommen wohl, — Dieses fieberlose Delirium 
ist vom Delirium tremens wesentlich unterschieden , beide aber 
bilden die Uebergangsformen zwischen Wahnsinn und Nerven- 
Geber, und zwar so, dass das Delirium tremens dem Wahn- 
sinne, das fieberlose Delirium aber den nervösen Fiebern näher 
steht. In ersterer Krankheit scheint bloss die psychische Seite der 
Nerven zu leiden, und die physische nur in so weit ergriffen zu 
seyn, als der längere Genuss der Spirituosa schon früher ein chro- 
nisches Leiden aller und vornehmlich der Verdauungsorgane be- 
dingte, während im fieberlosen Delirium, welches jedesmal in der 
Genesungsperiode anderer, Krankheiten auftritt, das psychische Le- 
ben der Nerven durch die vorhergehende Krankheit so entkräftet 
zu seyn scheint, dass, obwohl durch die psychische krankhafte 
Aufregung diese Schwäche dem Auge des Beobachters entzogen 
wird, sie dennoch bald den Tod bedingt, wenn nicht Besänftigung 
der psychischen Aufregung ohne Deprimirung eintritt. [Horn's 
Archiv, 1833, Jan., Februar.| (V—t.) 
147% Merkwürdige Folgen des Sturzes von einer 
Höhe bei einem an Delirium tremens leidenden 
Kranken; mitgetheilt von Dr. TrüsteprT in Berlin. Ein 27jäh-
	        
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