Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

266 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
der Augenlider mit Eiter infiltrirt, der beim Einschneiden tro- 
pfenweise hervordrang; über dem rechten Augenlide eine kleine 
Querwunde, deren Lippen einander genähert und von einer 
leichten Röthe umgeben waren. Von dem untern Rande dieser 
Wunde an ist die Haut eine Strecke lang abgelöst, und auf ih- 
rer innern Fläche eiternd. Unter dem Periosteum der Augen- 
höhlenwölbung, d. b. zwischen ihm und dem Zeilgewebe der 
Orbita, ist eine dünne Lage eiteriger Flüssigkeit, welche nicht 
in dem Fettzellgewebe des Grundes der Augenhöhle infiltrirt 
ist, das vielmehr wie die Muskeln des Augapfels ganz gesund 
ist: dagegen ist dieser Eiter in dem ganzen Zellgewebe ‚der bei- 
den Augenlider infiltrirt. Schneidet man dieses Zellgewebe ein, 
so träufelt ‚der Eiter tropfenweise heraus und ist nur in sehr 
kleinen Heerden angesammelt. Im äussern Theile der Augenli- 
der, parallel mit der Wunde, ist der Eiter flüssiger und in grös- 
serer Menge angehäuft, so dass ein Einschnitt der. Haut auf 
dem untern Orbitalrande eine grössere Quantität desselben aus- 
fliessen lässt. Kurz man kann die, ganze Entartung dieser Au- 
genliderbedeckung als das Product einer oberflächlichen Gangrän 
betrachten. Die Augenlider des linken Auges zeigen einen ähn- 
lichen Zustand, nur im milderen Grade. Die Augäpfel sind voll- 
kommen gesund, die Biudehäute etwas injicirt. Gehirn und 
Brustorgane sind gesund. — An diese und die übrigen ähnli- 
chen Beobachtungen reiht P. zur Unterstützung seiner Meinung 
folgende anatomische, physiologische und pathologische Betrach- 
tungen: 1) die Augenhöhle enthält zahlreiche Blutgefässe, welche 
mit denen des Gehirns communiciren, so dass eine in der Nähe 
des Auges Statt findende Congestion sich sehr leicht bis zum 
Gehirn ausdehnen kann. 2) Noch inniger und zahlreicher ist 
die Nervenverbindung zwischen den Organen des Gehirus und 
den Augenhöhlen. 3) Die weichen Theile der Augenhöhle sind 
sehr zur Anschwellung geneigt und dabei mit Ausnahme der 
vordern Augenhöhlenöffnung überall von festen Theiten umge- 
ben, so dass sie sich nur von hinten nach vorn ausdehnen kön- 
nen,. wobei sie den Sehnerven zerren müssen, was. so leicht 
Gehirnaffection herbeiführen kann. 4) Die durch Geschwülste 
hervorgebrachte Kxophthalmie ist häufig vom Gehirnzufällen be- 
gleitet. — Hieraus dürften sich für die Behandlung der Ge- 
sichtsrose nützliche Regeln ergeben: 1) Erstreckt sich die Ge- 
sichts - und Kopfrose nicht auf die Orbita und Augenlider; ist 
sie mässig und ohne Complication, so kann man die Heilung 
oft der Natur allein überlassen. 2) Tritt eine selbst milde Ge- 
sichtsrose in der Nähe der Thränenwege auf, und verbreitet 
sch von da nach der Augenhöhle, so muss sie energisch ange- 
griffen werden. In diesem Falle war ein Blasenpflaster auf’s 
Gesicht oft nützlich, auch kann die Cauterisation mit Höllen- 
stein im Anfange der Krankheit etwas leisten. 3) Sind die Au- 
genlider stark angeschwollen, und drohen sie Eiterung, so wird
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.