Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

258 11. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
Bloss in einem einzigen Falle wurde das zehnmonatliche Kind 
einer jungen Frau vom Lande, die öfters an hysterischen Kräm- 
pfen litt und schon seit einem halben Jahre mit kurzen Inter- 
vallen eine hartnäckige Quartana hatte, von einer Tertiana er- 
griffen. Die Mutter wurde durch Chininpillen mit Opium; das 
Kind durch Chin. sulph. gr.vj, Agq. flor. Naph. 3ij und Syr, 
vinnamom. 3j, alle zwei Stunden einen Theelöffel voll zu neh- 
men, geheilt. — Die gastrisch-nervöse Constitution machte ih- 
ren Einfluss bei mehrern Wechselfiebern geltend, und nicht sel- 
ten gingen letztere zur Nervosa und diese in jene über. Kine 
wohlgenährte Frau von 62 Jahren mit apoplektischem Habitus 
und schwammiger Muskelfaser, die seit einer Reihe von Jahren 
an mannichfachen Unterleibsbeschwerden, Hämorrhoidalkoliken, 
Abgang von Infarcten, Gichtanfällen, grosser Nervenreizbarkeit 
und hysterischen Gemüthsverstimmungen gelitten hatte, wurde 
von einer Tertiana befallen, welche .sich anfangs hinter Kolik, 
Vebelkeit, Tenesmus und grosser Empfindlichkeit in der Nabel- 
gegend versteckte. Nach Beseitigung des Fiebers durch Chinin 
bekam sie in Folge eines Schrecks Gliederreissen, Der Puls 
war fieberhaft, der abgehende Harn ganz wasserhell. Dazu ge- 
sellte sich noch in den nächsten Tagen Unruhe im Leibe, Man- 
gel an Appetit und Dysurie. Den 9. August klagte Patientin 
über Reissen am Hinterkopfe und in den Schultergelenken. Der 
Puls war wenig beschleunigt, die Füsse kühl, die Haut feucht, 
der Harn sparsam und braun, die Kırcreta alvi etwas dünnflüs- 
sig. Sie hatte die EıLEB’schen Tropfen mit Ag. Menithae crisp, 
genommen. Es wurde noch ein grosser Sinapismus in den. Na- 
cken ‚gelegt und diaphoretisch verfahren. Die Schmerzen tobten 
Fort, die Sprache wurde erschwert und die Kranke anffallend 
schwer beweglich. Man erneuerte das Senfpflaster, legte noch 
zwei an die Waden und schaffte durch ein Klystier Leibesöff- 
nung. Die anscheinende Besserung hielt nicht an; denn am an- 
dern Morgen hatte sich die Hitze vermehrt, das Athmen ging 
mühsam von Statten, die Sprache war ganz unverständlich, die 
Patientin ohne Besinnung und mit langsamen, ungleich mässigem 
Pulse, mühsamem, schnarchendem Athem, kalten Füssen u. 8. W. 
Eine Venseseetion von vier Tassen Blut, und zwanzig Blutegel 
an den Kopf gesetzt, eiskalte Umschläge und Hautreize ver- 
mochten nicht die Kranke zu retten. — Die gastrisch-nervösen 
Fieber begannen sämmtlich wie einfaches gastrisches Fieber. In 
einigen wenigen Fällen gelang es, die Krankheit durch ein Eme- 
ticum zu coupiren. Je einfacher vom Anfange an die Behand- 
lung war, je weniger man den Kranken mit Arzneien bestürmte, 
desto sicherer war der Erfolg. Erhaltung einer mittlern Tem- 
peratur, Sorge für tägliche Leibesöffnung durch kühlende eröff- 
nende. Mittel und strenge Diät waren in der Regel ‚hinreichend, 
die Krankheit in 3—5 Wochen zu beseitigen. Ein solches Fie- 
ber kam bei einem 15jährigen, magern und schwächlichen, übri-
	        
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