Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

154 1l. Materia medica und Toxikologie, 
sich bloss etwas röthliches Wasser mit Schleimfäden. Am 10. Oct. 
konnte die Kranke sich aufrichten, ohne Blut zu verlieren; der 
Mutterhals nahm von jetzt an seine natürliche Beschaffenheit 
wieder an, und die Regeln kehrten mässig stark zurück. Im Jan. 
1833 steilte sich eine neue Blutung ein, welche D. diesmal mit 
dem Mutterkorn allein, in der Gabe zu 12 Gran, den ersten Tag 
5mal, den andern 4mal wiederholt, beseitigte. — Ist die Ver- 
stopfung der Uteringefässe bis zu ihrem dritten Grade gelangt, 
wo sie etwa die Form des weichen Krebses annimmt, so ist die 
Desorganisation in dem Gewebe der ergriffenen Partie der Art, 
dass das Mutterkorn nichts nützen kann; ja es kann dann sogar 
eine ganz entgegengesetzte Wirkung äussern, wie folgender Fall 
beweist: Eine 40jährige Dame. hatte sich nach ihrem S5ten 
Wochenbette vor 7—8 Monaten gut erholt. Ihre Regeln tra- 
ten nach den 6 Wochen, und dann einen Monat später ein; 
nun arteten sie aber in starke Blutverluste aus. Ihr Arzt ver- 
ordnete das Mutterkorn; allein jede Gabe desselben vermehrte 
die Blutung, und es musste daher ausgesetzt werden. Kine an- 
gestellte Untersuchung ergab eine organische Veränderung des 
Mutterhalses; derselbe war bis zur Grösse eines Hühnereies an- 
geschwollen, von mittlerer Consistenz, oberflächlich erodirt, und 
seine Oberfläche sonderte ein schwärzliches Blut ab, welches 
während und nach der Untersuchung im grösserer Menge aus- 
floss. Alann, äusserlich und innerlich angewendet, nützte nichts, 
Es wurde daher das Ratanhia-Extract zu einer Drachme in 
Auflösung gegeben, und zugleich eine mit Satzmehl gehörig ver- 
dickte Abkochung dieser Wurzel in die Scheide. eingespritzt. Die 
Blutung verschwand; die Veränderung des Mutterhalses aber blieb 
dieselbe. — 2). Bei den andern organischen Veränderungen un- 
ter. der Gestalt von Anschwellung oder Geschwülsien, wie der 
chronischen Gebärmutterentzündung, dem Skirrhus, gewissen Carci- 
nomen u. s. w. kommt die Blutung gewöhnlich nicht aus der ver- 
eiterten Stelle; sie ist nicht, wie in den vorhergehenden Fällen, 
ein Product der Vereiterung, sondern bewirkt durch die gesund 
gebliebenen Partieen des Uterus. In diesen Fällen kann sie mit 
Erfolg durch das Mutterkorn bekämpft werden, da die gesunden 
Theile des Uterus noch für die Wirkung des Mittels empfäng- 
lich sind. Eine Frau von 28 Jahren bekam, in Folge von Aus- 
schweifungen in der Liebe, wiederholtem Abortus und häufigen 
Gebärmutterentzündungen, eine Anschwellung oder Hypertrophie 
des Uterus, mit einem verdächtigen Auswuchse an der linken 
Seite des Mutterhalses. Den häufigen Mutterblutungen wurde 
durch Ruhe, Aderlässe, Digital. Ipecac. u. s. w. Kinhalt ge- 
than; allein sie kehrten immer wieder. Die letzte Blutung 
dauerte bereits 20 Tage, als man zur Anwendung von 3j Mutter- 
korn in 8 Unzen Wasser, alle 2 Stunden zu 2 Esslöffel voll ge- 
nommen, schritt. Die Blutung hörte auf. Sie erschien zwar 
einige Zeit darnach von Neuem; wich aber demselben Mittel und
	        
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