Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

I. Materia medica ‘und Toxikologie. 153 
verhärtet, dass man sie leicht für Geschwürnarben hält. Die Ge- 
krösdrüsen sind roth und vergrössert. Die Darmschleimhaut ist 
meistens erweicht. In allen Fällen sogenannter Atrophia scrophu- 
losa, welcher neben dem Leiden der Gekrösdrüsen stets ein sol- 
ches Leiden der Darmdrüsen zum Grunde liegt, leisteten die Mi- 
neralsäuren, namentlich die Schwefelsäuren, das Meiste. [Horn’s 
Archiv, 1832. Novbr. Decbr. (V—t.} 
II. MATERIA MEDICA und TOXIKOLOGIE. 
74. Ueber die Anwendung des Mutterkorns bei 
der Behandlung symptomatischer Gebärmutter- 
blutungen theilt DurARcqug folgende Bemerkungen mit: Diese 
Blutungen lassen sich, nach ihrem Verhältnisse zu den organischen 
Veränderungen des Uterus, in 3 Hauptclassen eintheilen, denen 
gemäss sich das Mutterkorn entweder als wirksam, oder als un- 
sicher, oder als‘ völlig erfolglos bewährt. 1) Die Blutung ist 
wesentlich an die Veränderung gebunden; sie ist eins ihrer pa- 
thognomonischen Zeichen. Hierher gehört diejenige, welche die 
Verstopfung der Uteringefässe (engorgement sanguin) begleitet. 
Ist diese letztere noch in ihrem ersten Grade, so hält das Mut- 
terkorn die Blutung vollkommen und danerhaft an; hat dieselbe 
aber bereits ihren zweiten Grad erreicht, d. h. ist das Uterin- 
gewebe übermässig ausgedehnt, oder durch das in ihm angehäufte 
Blut so erweicht, dass es seine Contractilität verloren hat, so 
reicht das Mutterkorn nicht mehr aus, und man ist zuweilen 
genöthigt, ein kräftiges Adstringens damit zu verbinden. Z,. B. 
eine starke, kräftig gebaute Frau von 30 Jahren, welche vor 
2 Jahren geboren hatte, bekam ihre Periode seit 5 — 6 Monaten 
reichlicher als gewöhnlich. In der letztern Zeit ging .das Blut 
ununterbrochen ab, und zwar in grösserer Menge, wenn die 
Kranke in aufrechter Stellung sich befand, als wenn sie sich 
bewegte. Am 20. Septbr. 1832 fand D. den Mutterhals von der 
Grösse eines Hühnereies, von normaler Consistenz in der Um- 
gebung, aber schlaf nach dem Muttermunde hin, welcher er- 
weitert war. Seine Farbe war roth; die Untersuchung vermehrte 
die Blutung. Allgemeine Blässe, äusserste Entkräftung, häufige 
Ohnmachten, kleiner, frequenter Puls, gelindes Gefühl von Hitze 
und Druck im Becken begleiteten diesen Zustand. D. verord- 
nete, ausser Ruhe und leichter Diät, 2 Scrupel Mutterkorn in 
4 Unzen Flüssigkeit, alle 2— 3 Stunden zu 2 Esslöffel voll zu 
nehmen. Am 22, September war die Blutung etwas geringer; 
die Dosis des Mittels wurde zu 3j- gesteigert. Am 24 Septbr. 
hatte sich dieselbe wieder etwas vermehrt, weshalb der Mischung 
Exztr. ratanh. 3fß. zugesetzt wurde. Am 27. Septbr. stand die 
Blutung vollständig; der Mutterhals war weniger anfgeschwollen; 
der Mutterhals weniger erweitert; bei der Untersuchung entleerte
	        
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