Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

{. Pathologie, Therapie und medicinjsche Klinik. 139 
lass es in unserem Klima nicht erzeugt werde, dass es durch 
strenge Polizeimaassregeln im Falle zufälliger Einbringung in 
unserer Gewalt stehe, seine Verbreitung zu verhindern. Dass 
nicht nur solche, die noch Empfänglichkeit für das Variolagift 
haben, sondern alle, alt und jung, Geblatterte und Ungeblatterte 
wirksame Träger dieses Giftes seyen, wenn sie in die mit Va- 
riolastoff geschwängerte Atmosphäre kommen. 2) Dass die ge- 
wisse Schutzkraft der Vaccine gegen Variola sicher sey, aber 
nur gegen die ächten Blattern, nicht gegen blatterähnliche Aus- 
schläge schütze. 3) Dass die von den Beobachtern beschriebe- 
nen Varioloiden zu der Varicellenclasse gehören. — An das eben 
Mitgetheilte hat HEnke einige nachträgliche Bemerkungen besonders 
in Beziehung auf Varioloiden gereiht, die auf Folgendes hinausge- 
hen, 1) Es kann wohl kaum noch einem gegründeten Zweifel unter- 
liegen, dass nicht nnr mit unvollkommenem Erfolge Vaceinirte, son- 
dern auch Individuen, die regelmässig verlaufene Schutz- 
pocken gehabt haben, zum Theil noch Empfänglichkeit 
für das Pocken-Contagium besitzen und in Folge der Ansteckung 
davon von den Varioloiden befalten werden. 2) Das Contagium 
der Variola, wo es auf Vaccinirte wirkt und Ansteckuag zu 
Stande bringt, erzeugt Variotoiden, wie die mehrfachen in Er- 
langen vorgekommenen Erfahrungen erweisen. 3) Henke kann 
nicht daran zweifeln, sondern ist fest überzeugt, dass S. in den 
von ihm ausführlich beschriebenen Fällen, von denen er anden- 
tet, dass sie mit den Variovloiden zusammenstimmten, wirklich 
Varioloiden behandelt habe. 4) Für eine Art oder einen hö- 
hern Grad der Varicellen kann Henke die Varioloiden nicht 
halten. Vielmehr zeigen sich dieselbeu nach ihren Vorboten, 
Verlaufe, Stadien, Form’ der Pusteln und der sie begleitenden 
allgemeinen Reaction des ganzen Organismus als eine Abart der 
Variola. Bei den Varicellen giebt der kurze Verlauf von 
5—5 Tagen, die Art des Ausbruchs, zuweilen ohne alles, ge- 
wöhnlich aber nach 24stündigem Fieber, die schnelle Aus- 
bildung und Füllung der Bläschen mit Lymphe oder weissgelb- 
licher, eiterähnlicher Flüssigkeit, das schnelle Kintrocknen 
derselben, die gänzliche Beendigung der Krankheit binnen 3—4, 
längstens 5 Tagen vom ersten KErkranken an, die Hauptmerk- 
male, Die Varioloiden zeigen sich hingegen hinsichtlich der 
Vorboten, des Ausbruchsfiebers, des Ausbruchs der Stippen und 
Knötchen, der langsamen Bildung und Füllung der Pusteln und 
des ganzen Decursus der Krankheit, als ein den wahren Vario- 
len, nahe stehendes und verwandtes Exanthem, von dem sie sich 
wesentlich nur durch den Mangel wahrer Kiterbildung, durch 
das fehlende Eiterungsfieber, und durch‘ die von der Füllung 
der Pusteln an schneller erfolgende Krostenbildung, endlich durch 
den Mangel des specifischen Pockengeruches und dadurch unter- 
scheiden, dass sie nur bei früher Vaccinirten vorzugsweise vor- 
kommen. 5) In die Erörterung und Prüfung der verschiedenen 
Ansichten über die Natur der Varioloiden kaun Henke hier
	        
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