Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

(14 Vf. Gynäkologie und Pädiatrik. 
Summar. 1832, Bd. 1, Nr. 89. Bd. II, Nr. 214) I. My- 
sodoritis maligna viarum partus puerperarum. Vom Juli 
1830 bis September 1831 hinein herrschte in der Giessener 
Gebäranstalt ‚eine bösartige Kntzündung der Schleim- 
haut der Geburtswege vor (Hystero-elytro-mycodorilis, To- 
codo-myrcodoritis maligna,) namentlich der Scheide, nur einmal un- 
ter der Form von Rose, die in heissen und sodann in kalten 
Brand’ überging, in allen übrigen Fällen war eine eigenthüm- 
liche Geschwürbildung zugegen; von 23 daran erkrankten 
Wöchnerinnen starben 5. — Die Geschwüre kamen bei den er- 
sten Auftreten der Krankheit an wunden Stellen der äusseren 
Geburtswege vor, besonders am eingeriesenen Frenulum vagi- 
nae, später auch an wunden Stellen der inneren Oberfläche des 
Uterus, wo früher die Placenta angesessen hatte, wobei immer 
die Schleimhaut ganz .besonders mitlitt, in der jedoch das Ue- 
bel ausserdem auch ursprünglich und fortdauernd allein und hei 
anfangs unverletzter Haut beobachtet wurde, wo dann das Epi- 
thelium erst in Folge der Entzündung aufbrach; in diesen Fäl- 
len war sogar die Geschwürbildung am vollständigsten; sie ging 
von kleinen, runden, wenig erhabenen, eine gelbröthliche oder 
röthlichbraune Flüssigkeit enthaltenden Kuötchen aus, deren 
Umfang leicht entzündiich geröthet war, bis zu 4 Durch- 
messer und 2 Linien Höhe, die grösseren waren mehr länglich; 
meist flossen mehrere zusammen und bildeten unregelmässige 
Fizuren, das Epithelium warde zu einer meist durchsichtigen, 
oder dicken, weissen, bleifarbenen, grauen, schmuzig- dunkel- 
blauen Pustelhant erhoben, die aus feinen Kügelchen bestehende 
anfangs durchsichtige Flüssigkeit gerann später und wurde ei- 
terartig, wo dann die Pustelhaut abgestossen wurde, die sich 
jedoch bisweilen auch durch mechanische Gewalt ablöste, im 
ersteren‘ Falle zeigte nun das Geschwür einen ebenen Grund, 
Eintrocknung und wirkliche Abschuppung der Pustelhaut wurde 
nie beobachtet; allmählich bildeten sich Granulationen und vom 
Umkreise aus erfolgte die Vernarbung; bei Verschlimmerung 
breitete sich das Geschwür in die Tiefe und Breite aus und be- 
kam erhabene Ränder, die sich bisweilen sehr entzündeten, blau, 
blauroth, dunkel- oder hellrosenroth färbten, und was am ımiss- 
lichsten war, sich windsüchtig auftrieben.. Nie erfolgte gänzli- 
che Durchbohrung aller Häute durch diese Geschwüre. Bei der 
bösartigen Wundeiterung verletzter Stellen zeigte sich ein we- 
nig erhabenes, gedunsenes, rothes, matiglänzendes Schwammgebilde, 
die Scheidenschleimhaut entzündete sich im grossen Umtange 
heftig, die Geschwulst wurde bisweilen enorm, das Ganze er- 
achien als emphysematisches Erysipelae und bisweilen wurden 
die sämmtlichen Scheidengebilde durchbohrt; unter Abhahme die- 
ser Symptome, Bildung von Fleischwärzchen erfolgte die Heilung 
mit Vernarbung vom Umkreise her. — R. vergleicht diese Ge- 
schwürbildung mit der beim Hospitalwundbrande, bald als pulpöse, 
bald als emphysematische, bald als aus den beiden genannten
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.