Full text: (5. Band = 1833, No 9-No 16)

+4 IV. Materia mediea und Toxikologie. 
währt, gar nicht so häufig sind. Blutflüsse, Apepsie, Scropheln, 
Rhachitis, Atrophie und Gicht fordern Eisenmittel unter gewis- 
sen Bedingungen, doch sind diese verhältnissmässig «selten gege- 
ben, und selbst die Bleichsucht hat meist eine solche Gestalt, 
dass man lange schleimauflösender und‘ ausleerender Mittel mit 
krampfstillenden zur Cur bedarf, ehe vom Eisen die Rede seyn 
kann, und dass man auch dann noch demselben vegetabilische, 
bittere und bitter - adstringirende Mittel vorausschicken muss. 
Kurz, der Zustand reiner Erschlaffung und Schwäche des irri- 
tabeln Systems, den das Eisen am sichersten hebt, ist viel sel- 
tener, als die genannten Krankheiten, auch giebt es wenig Mit- 
tel, deren Wirkung so sehr, wie die des Kisens, von indivi- 
dueller Constitution abhängt. Es ist daher auch falsch, wenn 
man China und Eisen neben einander stellt. und die Cur jeder 
langwierigen Schwäche mit Eisen beschliessen zu müssen glaubt. 
Bei Männern, von cholerischem oder melancholischem Temperamente, 
Neigung zu Congestionen nach den Lungen u. 8. w. kann das 
Eisen, statt zu stärken, die Quelle neuer Uebel werden. — 
2) Je schärferes Individualisiren der Gebrauch der KEisenmittel 
voraussetzt, desto gewisser kann man, wo sie wirklich indicirt 
sind, auf ausgezeichnete, oft wunderbare Wirkung rechnen. 
WsınHoLD’s Ausspruch würde daher gefährlich zu nennen seyn, 
wenn er sich nicht gleich als UVebertreibung kund gäbe. Da der 
allgemeine Krankheitscharakter, der so lange entzündlich war, 
sich jetzt deutlich zur Nervose neigt, so scheint es an der Zeit 
zu seyn, sich des so ausgezeichnet heilkräftigen Eisens öfterer 
zu bedienen. — 3) Die schwächsten Formen und kleinsten Do- 
sen sind es gerade, in denen das Eisen, wenn es wirklich an- 
gezeigt ist, so Ausserordentliches leistet. Die meisten der durch 
Kisenmittel, oft in so kurzer Zeit und unter so auffallenden Er- 
scheinungen, hervorgerufenen Caren kommen unstreitig auf Rech- 
hung der nur wenig Eisen enthaltenden eisenhaltigen Mineralwas- 
ser und nächst diesen auf Rechnung des Eisensalmiaks und der 
Kisentincturen, Rechnet man hierzu noch das kohlensaure Ei- 
sen, dessen Wirksamkeit in manchen Fällen des Krehbses be- 
kannt ist, und den Kisenvitriol bei Blutungen mit dem Charakter 
der Paralyse, so lässt sich wohl behaupten, dass die übrigen, 
und besonders die Eisenfeile, am seltensten zu grossen Krfolgen 
führen: Wer 3—6 Gran Eisenfeile, täglich mehrere Male ge- 
nommen, verträgt, hat dies Mittel meist nicht nöthig und wenn 
man oft liest dass man Eisenfeile überall geben könne, wo 
das Eisen zweckmässig sey, so ist dies mindestens bestimmt ein 
Irrthum. Vom Crocus martis sagte schon May, dass er als Farbe 
in den Porzellanfabriken dienen solle und das Lob der schwäch- 
sten Formen und: kleinsten Dosen des Eisens wird durch Vocrt’g 
Bemerkung, dass nie ein äusserer Stoff vollständig von den Di- 
gestionswerkzeugen aufgenommen werde und dass auch immer 
eine gewisse Menge Eisen einverleibt werden müsse, wenn man
	        
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