Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

182 IV. Chirurgie und Ophihalmologie, 
das Dynamische der Nerven, als solches, nie ursprünglich affl- 
cirt, sondern nur durch sein Missverhältniss zum Chemischen 
in Unordnung gebracht werden. So lange der Chemismus, we- 
nigstens der organische Stoffwechsel,‘ in den Nerven fortdauert, 
kann das Dynamische in ihnen nicht erloschen, wohl aber durch 
jenen gebunden und gleichsam erdrückt seyn. In diesen Fällen 
ist auch nur Herstellung der normalen Nerventhätigkeit möglich, 
und wahrscheinlich stehen die hierher gehörigen Mittel, ,z. B, 
Strychnin, in solcher specifischen Beziehung zum Lebensprocesse 
der Nerven, dass sie, indem sie, den‘ chemischen Theil dessel- 
ben verändern, auch den dynamischen in ein anderes, oft nor- 
males Verhältniss setzen. Um so eher ist deshalb die Meinung 
MagenDie’s und Anderer zu entschuldigen, - dass das Strychnie 
bloss vermittelst der Säftemasse auf das Nervensystem einwirke, 
denn: offenbar sind die flüssigen Theile Repräsentanten des Che- 
mismus, die festen aber die des Dynamismus. [{v. Gräfe’s u. 
v. Walther’a Journ, d. Chir, u, Augenheilk,, Bd. 39, Hft. 1.} 
‘  (K—e,) ; 
IV. CHIRURGIE und OPHTHALMOLOGIE. 
352. Merkwürdige Kopfverletzung; mitgetheilt von 
Dr. BeHr in Bernburg. . Ein 60jähriger, gesunder und noch 
rüstiger Drescher trat bei einem sogenannten Erniekranze, wo 
auf dem Boden eines einstockigen Hauses getanzt wurde, in der” 
Nacht an die geöffnete Luke (in die beim Kinfahren die Gar- 
ben gereicht werden) um auf die Strasse zu uriniren. Durch 
Branntwein etwas berauscht, stürzte er von hier auf das 8 El- 
Jen tiefe Steinpflaster und wurde besinnungslos zu Hause getra- 
gen, wo ein Chirurg einen reichlichen Aderlass am Arme machte 
und eine Salpeterauflösung verschrieb. B. fand 10 Stunden 
später den Verunglückten im Schlafe, aus dem er sich jedoch 
leicht erwecken liess, worauf er lallend, doch richtig, die ihm 
vorgelegten Fragen beantwortete. Erbrochen hatte er sich nicht, 
wohl aber, doch bei vollem Bewusstseyn, viel blutigen Urin ge= 
lassen; der Puls war fast normal; über dem: linken Seiten- und 
Schlafbeine fand sich eine bedeutende, fast 2 Zoll im Durch- 
messer haltende und 6 Linien erhabene Blutgeschwulst mit ober- 
flächlichen Excoriationen, die, besonders beim Betasten, sehr 
schmerzte, auch sah man eine niedergedrückte Stelle des Os 
parietale. Man verordnete die Schmucker’schen kalten Umschläge 
und liess Tags darauf, wegen Verstopfung, eine Glaubersalzauf- 
lösung nehmen. Am dritten Tage klagte der Verwundete, der 
völlig bei sich war, sehr über Schmerzen, die äussere Ge- 
schwulst war mehr zusammengefallen, und man fühlte daher die 
wohl einen Zoll im Durchmesser haltende niedergedrückte Stelle 
weit deutlicher, der Puls :war etwas beschleunigt, und Oeffuung
	        
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