Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

182 
1. Materia medica und Toxikologie. 
des Nerv. recurrens angewendet und täglich mit beiden Seiten 
sbgewechselt. Am 9; Tage, als 9 Gr. verbraucht waren, hatte 
die Kranke ihr- vollkommenes Sprachvermögen wieder erlangt 
und bald darauf wichen auch die hysterischen Beschwerden. 
Nach dem oben angeführten scheint dieser Fall gleichsam aus- 
ser der Wirkungssphäre des Strychnins zu liegen, da die Rede 
von einem Aste eines Cerebralnerven ist, doch lässt es sich 
leicht nachweisen, dass das Strychnin durch das Gangliensystem 
auf die Nerven des Larynx einwirken kann. —— An diese Beob- 
achtungen Anderer reiht St. nachstehenden Fall aus seiner Pra- 
xis, der die Wirkungen des Strychnins auf den Organismus sehr 
deutlich darlegt, und der durch einen sehr günstigen Erfolg ge- 
krönt wurde: Die 20jährige Tochter eines Landpredigers von 
reizbarem Temperamente, wohlgebildetem Körper und frei von 
jeder Dyskrasie, hatte die gewöhnlichen Kinderkrankheiten glück- 
lich überstanden und zeigte hinsichtlich der Katamenien . keine 
Anomalieen. Vor mehreren Jahren bekam sie, ohne dass man 
eine zureichende Ursache nachweisen konnte, eine unvollkom- 
mene Lähmung des rechten Arms, die sich seitdem mit perio- 
discher Besserung so steigerte „, dass sie nicht mehr im Stande 
war, die gewöhnlichsten weiblichen Arbeiten zu verrichten und 
dass bald einige Abmagerung des leidenden Theiles sich zeigte. 
Bisweilen, besonders nach Gemüthsbewegungen, traten krampf- 
hafte Zufälle insonderheit des rechten Armes ein, wozu noch 
Schlaflosigkeit, Unruhe, Appetitmangel und Congestionen nach 
oben kamen, meist aber nach einigen Tagen wieder wichen, 
ohne bemerkbaren Einfluss auf das örtliche Uebel zu haben. 
Moxa, Haarseil; viele innere Mittel und mehrere Bäder, z. B. 
Pyrmont, blieben erfolglos, oder brachten nur vorübergehende 
Besserung. Als Sr. zu Hülfe gerufen wurde, zeigte, ausser 
dem schon angegebenen Zustande, die ganze Haltung des Kör- 
pers, so wie jede Bewegung, etwas Linkisches. Das Gesicht 
hatte einen fremdartigen, krampfhaften, oft eigenthümlichen Aus- 
äruck; der gelähmte‘ Arm fiel beim freien Herunterhängen nach 
hinten; Arbeiten, wobei die Finger bewegt werden mussten, 
konnte die Kranke nicht verrichten, auch war das Schreiben 
anmöglich, dagegen konnte sie noch einen. ziemlichen Druck 
ausübn und mässig schwere. Körper aufheben und festhalten. 
Die Temperatur des kranken Gliedes war bedeutend vermindert, 
auch fand sich in ihm ‚ein lästiges Gefühl von Kälte. Der Puls 
am leidenden Arme war, sehr klein und zitternd, ‚und man be- 
merkte bei seiner Unteranchung ein stetes Zucken der nahen 
Sehnen. Da Alles Mögliche bereits versucht war, fiel St. dar- 
auf, das Strychninum purum nach der Methode endermique an- 
zuwenden und zwar folgendermaassen: Er legte ein Vesicator 
anf die Gegend. der obersten Rückenwirbel und ein zweites auf 
die Scapula der kranken Seite. Nach Oeffnung der dadurch ent- 
atandenen Blasex und. nach Wegnahme der OÖberhaut legte. er
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.