Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

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IV. Gynäkologie und Pädlatrik. 
Cholera erkrankt sind, liegt wohl mehr in der Verschiedenheit 
der Lebensweise, als in der des Geschlechtes, da bei übermässi- 
gem Genusse der Spirituosa die Zahl der weiblichen Kranken 
der der männlichen nicht nur gleich kam, sondern sie sogar übertraf, 
Gewisse Einflüsse aber der weiblichen Sexualverrichtungen auf 
Entstehung und Verlauf der Cholera lassen sich deutlich wahr- 
nehmen. Frauen, bei denen die Sexualthätigkeit bereits er- 
loschen, scheinen besonders zur Krankheit disponirt; doch ist 
dies auch bei vorgerücktem Alter überhaupt der Fall. Nicht 
überall zeigten sich im Geschlechtsgenusse ausschweifende 
Frauenzimmer besonders für die Cholera empfänglich. Kinen 
bedeutenden Einfluss auf den Verlauf derselben‘ hat die Men- 
struation. Am häufigsten befiel die Krankheit in den Tagen 
kurz vor oder nach der Menstruation. Verlief diese regelmäs- 
sig kurz vor Entstehung der Krankheit, so scheint deren An- 
fall allemal weniger heftig zu seyn. Zwar erscheint die schon 
oder doch fast beendigte Blutabsonderung nicht selten von 
neuem und stärker. Das Erscheinen derselben ist, selbst ausser 
der gehörigen Zeit, während der Krankheit, immer ein günsti- 
ges prognostisches Zeichen. Gleichzeitig mit ihrem Erscheinen 
vermindern sich die übeln Symptome auffallend, wenn dies in 
die Zeit nach dem ersten heftigen Anfalle der Cholera fiel, wo 
dann jene Blutausleerung, gleich einer kritischen, sicherer und 
kräftiger, als künstliche, dem sich bildenden Congestionen nach 
gdleren Organen begegnete. Nie wurde sie in oder bald nach 
dem Choleraanfalle übermässig und schädlich. Auch Schwangere 
sind befallen worden. In mehreren vom Verf. beobachteten Fäl- 
len trat jedoch erst nach dem heftigen Anfalle Abortus ein, 
und es erfolgte Genesung. Andere haben Schwangere die Krank- 
heit ohne Abortus überstehen oder sterben sehen, ohne dass 
die Frucht ausgeschieden wurde. Der Verf. hat 3 Fälle von 
Geburten in der Cholera beobachtet; 1 Wöchnerin starb bald 
nach der Geburt, 2 genasen; alle 3 Kinder wurden gesund ge- 
boren, starben aber wenige Stunden nach der Geburt unter 
Cholerasymptomen; er theilt nur einen dieser Fälle, den er ge- 
nauer beobachten konnte, mit: Frau B., eine gesunde, rüstige, 
wohlbeleibte, 28jährige Brünette, von heiterem Temperament, bei 
täglicher angemessener Beschäftigung mässig lebend, seit 6 Jah- 
ren an einen gesunden Mann verheirathet , Mutter von 2 lebend 
und. gesund normal geborenen Kindern, befand sich nahe am 
Ende ihrer 3., bisher regelmässigen Schwangerschaft, als am 23. 
Juni ihr einziger, blühender, 3jähriger Knabe an der Cholera 
erkrankte und innerhalb einiger Stunden starb. Obwohl von 
Schreck und Kummer erschüttert, trug sie doch ihr Unglück mit 
standhafter Ergebung und blieb, in der festen Ueberzeugung, 
dass Schwangere und Neugeborene nie von der Krankheit er- 
griffen würden, ganz frei von Furcht vor Ansteckung; aber bald 
stellte sich eine häufige, anfangs fäculente, aber schon von der
	        
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