Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

VI... Gynäkologie und Pädiatrik. 
halb einen Troikar 4 Zoll tief an der rechten Seite der vordern 
Fontanelle ein, worauf durch die Canule 3 Unzen seröse Flüs- 
sigkeit abgingen. Auf die Stichwunde wurde dann ein Meftpfla- 
ster und um den Kopf eine Zirkelbinde gelegt. In der Nacht 
schlief das Mädchen gut und hatte dann zwei Tage schwaches 
Fieber, worauf das Befinden wieder so gut wie vor der Ope- 
ration war. Nach 10 Tagen wurde die Operation an der an- 
dern Seite wiederholt, wobei 5} Unze trübes Blutwasser mit 
mehreren Lymphflocken ausflossen. 12 Tage später hatte der 
Kopf um 24 Zoll im Umfange und um 2} Zoll von einem Ohre 
zum andern ühwr den Scheitel hin abgenommen. Die Verknö- 
cherung war sehr Vvorgeschritten, denn eine grosse Oeffnung im 
Stirnknochen war ganz ausgefüllt, und Oeffnungen an andern 
Stellen waren viel kleiner. Bei einer neuen Anwendung des 
Troikars ging nur eine Unze Flüssigkeit ab, und als ungefähr 
6 Wochen nach der ersten Operation das Instrument bis zu den 
Hirnhäuten eingeführt wurde » floss nur eine halbe Unze aus. 
R. führte den Troikar daher nochmals und zwar schräg ein und 
drang damit 14 Zoll tief in der Richtung des Ventrikels ein, wo 
sich dann in einem Strahle 9 Unzen Blutwasser ergossen. Der 
Puls wurde danach schwach, es kamen Ohnmachtsanwandlungen 
und Uebelkeit, Abends aber stellte sich ein 1stündiger Schlaf 
ein, aus dem die Kranke sehr gestärkt erwachte. Nicht ein un- 
günstiges Symptom kam später zum Vorschein, der Puls wurde 
regelmässig, das Auffahren im Schlafe seltener und Alles ging 
besser, nur der Stuhlgang behielt eine dunkelgrüne Farbe. Nach- 
dem aber die Besserung noch einige Wochen fortgeschritten war, 
kehrten allmählich die früheren Symptome zurück, und wenn man 
auf die vordere Fontanelle drückte, spürte man eine undeutli- 
che Schwappung. Kleine Gaben Kalomel bis zu den Vorboten 
des Speichelflusses hewirkten jedoch baldige Aufsaugung der Flüs- 
sigkeit, die Symptome des Wasserkopfes traten zurück und kehr- 
ten nicht wieder. Das Mädchen erfreute sich nun einer guten 
Gesundheit und ist jetzt stämmig, munter und für ihr Alter 
gross. Die Kopfknochen sind, bis auf die vordere Oeffnung, die 
sich eben schliessen will, geschlossen, und der Kopf hat von 
dem Volumen vor der ersten Operation im Umfange um 4 Zoll 
und von einem Ohre zum andern über dem Scheitel hin um 
23 Zoll abgenommen. — Ausser den früher von Conqusist mit- 
getheilten 2 Fällen ist dem Verf, kein anderer bekannt, in dem 
der Ventrikel angestochen worden wäre, um Wasser aus dem 
Kopfe zu entleeren. Rossı und Vose haben bloss das zwischen 
den Membranen befindliche Wasser abgezapft., — Da Mehrere 
die hier besprochene Operation nicht nur für gefährlich, son- 
dern auch für in ihrem Erfolze sehr zweifelhaft halten, so 
glaubt R., dass der von ihm beobachtete Fall mit den von Con- 
QUEST erzählten beweisen würde, dass eine solche Furcht meist 
grundlos (!) sey, und dass unter günstigen Umständen die Ans-
	        
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