Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

V. Chirurgie und Ophthalmologie. 
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der Brustwirbel; vom Prof. Dr. Buasıus in Halle. Kin 
45jähriger Mann von mittlerer Constitution war beim Herabfah- 
ren von einer Anhöhe gefallen und so unter den schweren Wa- 
gen gekommen, dass dieser mit einem Vorderrade gegen seine 
linke Thoraxseite anfuhr und an derselben stehen blieb. Bald 
darauf wurde der über sehr, heftige Schmerzen in der linken 
Brustseite klagende Verletzte in die Klinik nach Halle gebracht, 
Er athmeie mühsam, kurz, mit offnem Munde, gab nur mit An- 
strengung schwer verständliche Worte von sich, und bei jeder 
Inspiration sprach sich in den verzerrten Zügen sehr deutlich 
Schmerz aus. Der "Thorax bewegte sich beim Athmen nur we- 
nig, die linke Seite aber .war beim Drucke sehr beweglich, und 
man fühlte die 4., 5. und 6. Rippe gebrochen, was ohne Zwei- 
fel auch hinsichtlich mehrerer Rippen dieser Seite der Fall war, 
worüber man aber, da der Verletzte zu empfindlich war, nicht in’s 
Reine kam. Durch das Stethoskop hörte man die auch sonst schon 
warnehmbare Crepitation sehr deutlich; respiratorisches Geräusch 
war überall zu bemerken. Die linke Achselhöhle fühlte sich wie 
emphysematös an. Auf der rechten Seite des Thorax liess sich, 
soweit bei der nicht zu verändernden Rückenlage die Untersu- 
chung möglich war, keine Verletzung warnehmen. Das Brust; 
bein war unverletzt, doch machte ein Druck auf dasselbe Schmerz. 
Der Verletzte war übrigens völlig bei sich und konnte die Gilie- 
der bewegen, auch waren Puls und Herzschlag ziemlich kräftig 
und ohne besondere Abweichung. Man liess sogleich Blut weg, 
legte um den "Thorax ein breites Handtuch, sorgte für Ruhe 
und gab Nitrum mit Natr, sulph. Bald nachher setzte man 
Blutegel' und machte kalte Umschläge, wegen derer man das 
Handtuch wieder entfernte, da es ohnehin bei geringer Bewe- 
gung des Brustkastens entbehrlich schien. Am folgenden 'Fage 
zeigte sich in der linken Achselhöhle ein auf diese Stelle be- 
schränktes , geringes Emphysem; die Schmerzen liessen, nach- 
dem noch Aqz. lauroceras. gegeben worden war, etwas nach; die 
Respiration blieb mühsam, und man hörte dabei nach 36 Stunden 
starkes Schleimrasseln, auch stellte sich etwas Husten.ein. Die 
Nächte waren schlaflos, unruhig, der Puls gereizt, nicht sehr 
frequent, und nicht leer, aber ohne Kraft. In den letzten 24 Stun- 
den schmerzte der Unterleib etwas, Stuhl und Urin aber gingen 
ungestört bis zum Tode ab, der %0 Stunden nach der Ver- 
letzung unter stärkern Respirationsbeschwerden, ohne Hirnaffe- 
ction oder Lähmung der Extremitäten, erfolgte. Bei der Section 
fand sich in der Schädelhöhle nichts, was mit dem beschriebe- 
nen Uebel zusammenhing, als bedeutende Blutanhäufung auf der 
Oberfläche des Gehirns und geringere in der Hirnsubstanz selbst. 
Im Unterleibe war besonders eine grosse Menge mehr oder min- 
der bedeutender Blutergiessungen bemerkenswerth, als deren Quelle 
auch die sorgfältigste Untersuchung keine Ruptur eines grössern 
Gefässes auffinden konnte. Magen, Darmkanal und Pancreas
	        
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