Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

Il. Pathologie, Therapie und medicintsche Klinik. 327 
scheinliche Ursache dieses Zufalls eine plötzlich nach .der Blase 
eingetretene Hämorrhoidalcongestion angenommen wurde, wandte 
man. Aderlass, Blutegel, Emulsionen, Klystiere, warme narkoti- 
sche Umschläge, Bäder anz aber vergebens. Die Application 
des Katheters wurde mehrere Male, aber wegen der heftigen 
Schmerzen, die sie erregte, immer vergeblich versucht. Endlich 
schaffte die Anwendung des‘ Opiums mit Hyoscyam. KErleich- 
terung und Ruhe, aber keinen Abgang von Urin. So lag der 
Kranke nun 6 Tage lang in demselben Zustande; die Blase füllte 
sich immer mehr an, so dass sie zuletzt deutlich fühlbar 2 Zoll 
über den Nabel stieg, und immer näher trat die Gefahr der Ent- 
zündung, des Brandes, der Ruptur. Um diesen Gefahren vorzu- 
beugen, riethen Graere und Rust zum Blasenstich; allein der 
Kranke behielt Hoffnung und Muth und vertraute auf seine sonst 
gute Natur. Endlich am 7, Tage der Verhaltung, gelang es, den 
Katheter einzubringen, wodurch mehrere Quart Urin entleert 
wurden. Der Kranke war wie neu geboren und glaubte sich völ- 
Jig hergestellt; allein es zeigte sich anders. Ohne Katheter war er 
nicht im Stande, einen Yropfen Urin von sich zu geben. Man 
liess daher einen biegsamen Katheter in der ‚Blase beständig 
liegen, da das Einbringen eines neuen immer mühsam und 
schmerzhaft, besonders in der Gegend des Blasenhalses war, 
and dieser wurde nur aller 10° oder 14 Tage gewechselt. So 
brachte Pat. 12 Wochen in dieser beschwerlichen Lage zu, wäh- 
rend welcher jeder Versuch, den Urin ohne Katheter zu lassen, 
vergeblich war. Die Mittel, welche angewendet wurden, waren 
auf Wiederherstellung des Tonus der Blase und Heilung des 
Krampfes im Blasenhalse gerichtet; Uva ursi, Arnica, Valeriana, 
laue Seifenbäder, mitunter ein Schwefelpulver, und, auf GRAEFE’S 
Anratheh, elektrische. Funken und kleine Erschütterungen auf 
die Blasengegend, waren die Hauptsache, Endlich, nach dieser 
12 wöchentlichen Dauer der Harnverhaltung, stellte sich ein von 
Zeit zu Zeit wiederkehrendes Drängen zum Uriniren, das bis 
dahin ganz gefehlt hatte, ein, hierauf ein Iervordrängen des 
Urins neben dem Katheter, zuletzt ein ‘Herausdrängen des Ka- 
theters selbst, und nun erfolgte, nach dessen, Herausnahme, 
zum. ersten Male ein freiwilliger Abgang des Urins, Die- 
ser blieb nun ungestört, mit Ausnahme eines hald mehr bald 
weniger schmerzhaften Gefülls im Blasenhalse bei dem Abgange. 
Die Blase hat ihr volle Kraft wieder erhalten, und der Blasen- 
hals mit seiner früher erhöhten Irritabilität und antagonisti- 
schen Thätigkeit ist nun mit dem Blasengrunde wieder in’s Gleich- 
gewicht geseizt. Aber es erfolgte nun ein zweites oder viel- 
mehr secundäres Stadium der Krankheit. Es war eine 
Schwäche der Schleimhaut ‘der Blase zurück geblieben, und ihre 
Folge war eine vermehrte Schleimabsonderung derselben, eine 
Blennorrhoea, ein Catarrhus vesicae. Täglich ging 
eine Menge Schleim mit dem Urine ab, mit mehr oder we-
	        
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