Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

412 1l. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
weit man hinabsehen konnte, bedeckt. Mit einer Fischbein- 
sonde entdeckte man in der Gegend des obern Randes des 
Schildknorpels einen festen Körper. Der Kranke war sehr ab- 
gezehrt, hatte Abendfieber, täglich aber gebundenen Stuhl. Der 
Urin war sparsam, die Haut gelblich gefärbt, stets trocken und 
spröde. Endlich erlag der Kranke dem Hungertode. ” Ueber die 
Ursache der Krankheit liess sich nichts ermitteln. Section. Im 
Schlunde sass in der Gegend des Kehlkopfes eine Geschwulst, 
die sich von der hinteren Wand nach der vorderen ausdehnte 
und die Schlundhöhle so verengte, dass sich kaum ein Stroh- 
halm durchführen liess. Sie war an einzelnen Stellen livid, 
röthlichgrau, an andern sahnenartig weiss, an einigen Punkten, 
besonders nach innen, exulcerirt, liess bei stärkerem Drucke 
eine dunkelgelbe, stinkende Jauche ausfliessen und setzte unter 
dem Ringknorpel, von wo die gesunde Structur der Speiseröhre 
ihren Anfang nahm, mit scharfen Rändern ab. Die übrigen Se- 
ctionsresultate sind olıne Interesse. [Casper’s Wochenschrift für 
die gesammte Heilkunde, Nr. 2, 1833.] (H—L.) 
299. Dysphagia; mitgetheilt von Dr. Strinmerz in Pyr- 
mont. Ein junger Mensch, der früher viel an Drüsenbeschwer- 
den, später aber an herpetischen Ausschlägen , besonders .in der 
Nase, gelitten hatte, begab sich, von-:letzterem Uebel kaum 
befreit, nach einer Messe und kehrte mit erschwertem Schlu- 
cken zurück. Kr wendete die Hülfe geschickter‘ Aerzte ein 
halbes Jahr an, doch wurde das Uebel nur schlimmer und 
feste und ganz flüssige Substanzen konnten fast gar nicht, brei- 
artige aber etwas besser geschluckt werden. Endlich wurde 
auch St. befragt. Aus dem Examen ergab sich, dass das Uebel 
zuerst während der Messzeit, wo der Kranke, von vielem Lau- 
fen erhitzt, kaltes Bier rasch getrunken hatte, bemerkt, aber 
als unbedeutend nicht beachtet worden war. Bei Untersuchung 
des Oesophagus mit einem Fischbeinstäbcehen, woran ein elfen- 
beinernes, 4 Zoll im Durchmesser haltendes Kügelchen befestigt 
war, fand sich oberhalb des Manubrium sterni eine 4 Zoll lange, 
80 starke Verengerung, dass das Kügelchen nur mühsam durch- 
zubringen war. Da innerliche Mittel, so wie Blutegel, Mercu- 
rialeinreibuugen, Blasenpflaster und Fontanelle nichts nützten, 
dachte Srt., um die enge Partie zu erweitern, an mechanische 
Hülfe, Er liess mehrere elfenbeinerne Kugeln von verschiede- 
nem Durchmesser machen, die nach oben und unten konisch 
zuliefen und mit Fischbeinstäbchen versehen waren. Diese Vor- 
richtung wurde 4 Monate so gebraucht, dass wenn eine klei- 
nere Kugel mehrere Tage: hindurch bequem durch die Verenge- 
rung gegangen war, man eine grössere nahm. Der Kranke hatte 
die hierzu nöthige Fertigkeit bald erlangt und nach Verlanf obi- 
ger Zeit war das Uebel in so weit bekämpft, dass flüssige und 
feste Speisen ohne Unbequemlichkeit genommen werden konn-
	        
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