Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

v. Psychiatrie. 
thet, Der Patient erkannte die Seinigen nicht. Nachdem er 
nach Verlauf einer Stunde etwas ruhiger geworden, wurde ihm 
Blut entzogen, aber kaum waren 6 3 abgeflossen, als er in Ohn- 
macht fiel. Aus dieser erwachte er seiner Sinne mächtig und 
erzählte, ‚dass er vor einigen Tagen bei einem wahnsinnigen 
Kranken gewacht und es sich seit der Zeit eingebildet habe, er 
werde auch wahnsinnig werden. Gegen Abend des heutigen 
Tages habe ihm plötzlich eine unnennbare Angst befallen, und 
das Zimmer sey von Feuer ergriffen worden. Von dem Anfalle 
sehhst wusste er nichts. Pat. hatte stets mässig gelebt, war ar- 
beitsam, und materielle Ursachen liessen sich nicht entdecken; 
nur seit 2 Tagen war kein Stuhl erfolgt, weshalb Scun. ein 
kühlendes larans verordnete... Am folgenden Morgen war Pat, 
munter. Er hatte einige Stunden geschlafen, Stuhl, war erfolgt, 
Kopf frei, Zunge wenig belegt, Puls aber noch wie gestern voll, 
hart, 65. Das larans wurde fortgesetzt. Gegen. Mittag brach 
ein zweiter, heftigerer Anfall aus, bei dem das Gesicht gerö- 
thet war, und Pat, schimpfte, dass man ihn nicht aus dem 
brennenden Zimmer lasse. Der Puls genau wie am Morgen. 
Ein Aderlass. von 22 3 brachte volles Bewusstseyn zurück, und 
Pat. klagte weder über Schmerz noch Wüstheit des Kopfes. Der 
Puls war zwar noch voll, aber weich. Das larans bewirkte 
mehrmaligen Stuhl. Gegen Abend klagte der Kranke über ge- 
Hnden Brustschmerz; ein vesicans wurde gelegt. Am -folgen- 
den Morgen war SeHn, nicht wenig erstaunt, alle Zeichen einer 
Brustentzündung zu finden, die jedoch so gelind verlief, dass 
Pat. in 8 Tagen vollkommen hergestellt war. Fin Anfall von 
Tobsucht kehrte nicht zurück. Merkwürdig war in diesem Falle, 
dass sich der Puls sowohl während der. Tobsucht als auch wäh- 
rend der Brustentzündung fast immer gleich blieb, so dass er 
während dieser nicht um 5 Schläge in der Minute zunahm, 
auch nicht bei Anwendung der Digitalis sich verminderte, [Hw- 
feland’s Journal, Oct: 1832.] (H—1.) 
' 28%. Melancholische Hypochondrie; vom Prof. Dr. 
Kıose in Breslau. Ein katholischer Küster, bisher völlig gesund 
und von mittleren Jahren, reiste auf der Post, wo ihm gegen- 
über ein junger Mann sass, mit dem er im (jespräche sich recht 
wohl gefiel. Als er aber später, um zu frühstücken, sein Mes- 
ser herausnahm, überfiel ihn plötzlich der Gedanke, jenen jun- 
gen Menschen zu erstechen. Obgleich er sich Alles, was die 
Vernunft gegen diesen Gedanken zu sagen hatte, mehrmals sagte, 
wurde doch der Trieb zum Morde dringender, und er musste, 
um sich vor sich selbst zu retten, das Messer einstecken, konnte 
aber auch so die Angst und Unruhe, die sich seiner bemächtigt 
hatten, nicht ganz beseitigen. Seitdem kam der Gedanke zu 
morden, oder die Furcht, ein Mörder zu werden, selbst unter 
seiner Familie über ihn, und oft musste er schnell seinen En- 
kel, wenn er denselben auf dem Arme hatte, in die Wiege le- 
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