IV. Gynäkologie und Pädiatrik.
IV. GYNÄKOLOGIE und PÄDIATRIE.
225. Die Transfausion des Blutes mit günstigem
Erfolge ausgeführt; von Dr. Schneemann in Hannover,
Mutterhlutungen setzen den Geburtshelfer gewiss. am häufigsten
in gerechte Besorgniss. Am Ilebensgefährlichsten werden sie in
dem sogenannten Nachgeburtsgeschäfte. Dem Verf. hat es über-
dies geschienen, als wenn nicht nur Blutflüsse zu manchen Zei-
ten häufiger entstehen, sondern als wenn auch in gewissen Zeit-
perioden, wie dies nach seiner Erfahrung in den Monaten April,
Mai und Juni 1831 der Fall war, starke Blutflüsse, und‘ selbst
verhältnissmässig geringe, schlechter vertragen, weniger ausge-
halten werden, als zu andern Zeiten. Um dem möglichen Tode
aus Erschöpfung, in Folge des Biutabganges, zu wehren, kam
der Verf. auf die Idee, künftig die Transfusion zu versuchen,
wozu sich sehr bald Gelegenheit darbot. Eine 30jährige Frau
war bereits zweimal von einem lebenden Kinde entbunden wor-
den und hatte jedes Mal vor Abgang der Nachgeburt eine hef-
tige Metrorrhagie erlitten, der aber durch schleunige Entfernung
der Nachgeburt stets rasch Einhalt: gethan : worden war; Zum
3. Male gebar sie den 1. Jun. Nachts 2 Uhr eine lebende Toch-
ter. Nach 2 Stunden hatte sich. die Placenta noch nicht gelöst,
und da trotz einiger Versuche der Hebamme, sie zu entfernen,
dies nicht gelang, und sich ein heftiger .Blutflass einstellte, so
ward der Verf. hinzugerufen. Er fand die Kranke, nach eiligst
zurückgelegtem, halbstündigem Wege bis: zu ihrer Wohnung, io
anhaltender Ohnmacht. Die Respiration und der Pulsschlag wa-
ren kaum bemerkbar, der Leib war mässig ausgedehnt, der
Blutabgang hatte fast gänzlich nachgelassen. Nachdem Pat. durch
etwas Wein und Zimmttinetur wieder zu sich gekommen war,
löste der Verf. die Placenta, wobei er vorher grosse Massen
coagulirtes Blut, welche den Eingang der Gebärmutter verstopft
hielten, auszuleeren hatte, Der Uterus zog sich hierauf zusam-
men, der Blutfluss stand völlig. Es wurden Mutterkorn, einige
Tropfen Opiumtinetur und ein Valerianainfusum‘ mit Valeriana-
extract verordnet, worauf sich der Verf. nach einigen Stunden
mit der besten Hoffnung entfernte. Schon um 10 Uhr erhielt
er indess die Nachricht, dass von Neuem ein heftiger Blutfluss
eingetreten, die Frau im Sterben liege. Sogleich schwebte dem
Verf. die Transfusion vor. Nach 20 Minuten. war er mit einem
eiligst zusammengebrachten und freilich nur nothdürftigen Appa-
rate zur Transfusion nebst 2 Gehülfen bei der Kranken ange-
kommen. .Er fand sie noch lebend, aber in der höchsten Er-
schöpfung, mit Hippokratischem Gesichte und eiskalten Extremi-
täten. Belebende Mittel, ‚welche man ihr ‚einflösste, wurden
gleich wieder ausgebrochen; die Gebärniutter war wieder aus-
gedehnter; durch die Scheide floss indess kein Blut mehr ab.
Neben der Indication, dies auch ferner zu verhüten, wurde als