Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

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HM. Pathologie, Therapie und medieinische Klinik. 
loren hatte, erschwerte Beweglichkeit des Rückgrate, die bei 
Beugung des Körpers und. besonders beim Besteigen ‚des. Pfer- 
des hinderlich und bei. schnellen Wendungen schmerzhaft wurde. 
6 Jahre lang waren Mineralbäder, Kinreibungen und Curen- aller 
Art, selbst sympathische , magnetische und homöopathische ver- 
sucht worden, doch die Unbeweglichkeit des Kranken nahm so 
zu, dass er kaum vom Stuhle aufstehen konnte. Endlich über- 
gab sich der schon an der Möglichkeit. seiner Heilung verzwei- 
felnde Kranke dem Verf, Unbezweifelt hatten Syphilis und Gicht 
einen langwierig entzündlichen Zustand der Rücken- und Lenden- 
muskeln bedingt, und es stand zu befürchten, dass durch diesen 
so lange bestehenden Krankheitsprocess, zu dem der Rücktritt der 
Hämorrhoiden so mächtig beigetragen bedeutende Abartungen 
der ergriffenen Theile sich erzeugt hatten. Nach lauen‘ Seifen- 
bädern wurden trockene und dann blutige Schröpfköpfe an jede 
Seite der Wirbelsäule gesetzt, auf Arme uud Waden epispasti- 
scher Taffet gelegt und hierauf Sublimat mit Guajak verordnet, 
Erst als fast 15 Gran Sublimat in 4 Wochen verbraucht worden 
waren, trat mässiger Speichelfluss, blatiger Durchfall und Nach« 
lass der Beschwerden mit Fieber ein. Der Kranke blieb daher 
im Bette und nahm nur Gerstenabsud als Nahrung und Arznei. 
Als das Fieber und der Durchfall sich verloren -hatten und doch 
noch erschwerte Beweglichkeit der Rücken- und Lendenmuskeln 
zugegen war, wurden nochmals Schröpfköpfe gesetzt, der epi- 
spastische Taffet beibehalten und Theden’s Spiessglanztinctur, täg- 
lich zu 2 Kaffeelöffeln, gereicht, und wöchentlich 2 Mal ein 
Schwitzbad verordnet, in dem die leidenden Theile fleissig mit 
Birkenzweigen befächelt wurden, worauf man Jodsalbe in die- 
selben einrieb. Der Kranke genas völlig und kann ‚sich jetzt, 
nach 3 Jahren, noch völlig frei bewegen. [.Allgem. mei. Zei 
tung, 1833, Nr. 4.]  (K—e.) 
211. Syphilitische Gicht der Nackenmuskeln; 
mitgetheilt von Dr, v. Verıng in Wien. Ein 52jähriger Mann, 
der oft Rheumatismen gehabt hatte, fühlte bald nach Heilung 
syphilitischer Geschwüre eine Hemmung der freien Bewegung 
des Kopfes, die unter drückendem Schmerze von rück- nach 
vorwärts allmählich so stieg, dass der nach der Brust gebeugte 
Kopf nicht mehr ausgestreckt werden konnte. Nachdem Bäder, 
reizende Einreibungen, Umschläge, auflösende und schweisstrei- 
bende Mittel und Mercurialien 2 Jahre und homöopathische Mit- 
tel 1 Jahr vergebens angewendet worden waren, wurde v. V. 
befragt, Da das Uebel von einem durch Syphilis und Gicht be- 
dingten, langwierig entzündlichen Zustande der Muskeln und der 
Bänder des Nackens abhing und bei der langen Dauer organi- 
sche Entartungen zu befürchten standen, so liess sich nur von 
einem kräftigen antisyphilitischen und antiarthritischen Heilverfah- 
ren etwas erwarten, wozu auch der Kranke geneigt war, da er 
wegen des unerträglichen, Nachts in den Kopf sich erstrecken-
	        
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