Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

276 1M. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
liefen. MNachimpfungen bei früher recht vaccinirten Kindern 
brachten zwar bisweilen kleine falsche Pustelchen, welche schon 
nach 8 Tage wieder abtrockneten, hervor, nie wieder ächte 
Schutzpocken. Den von mehreren Aerzten als die Schutzkraft 
der Vaccine bedingend angeführten eigenthümlichen frieselarti- 
gen Ausschlag sah der Verf. gewöhnlich zwischen dem %. und 
11. Tag entstehen, nie unter 14 Tagen verschwinden, und mit 
Abschuppung enden. Inwiefern er zur Schutzkraft beiträgt, kam 
er zwar noch nicht bestimmen, doch hält er ihn der Aufmerk- 
samkeit werth. Von der Vaccination auf das Euter einer Kuh 
entstand eine ächte Kuhpocke, von welcher 3 Kinder geimpft 
wurden und wahre Kuhpecken erhalten haben sollen. Die Lo- 
calaffeetionen werden als stärker, das Gemeinleiden als geringer 
angeführt. Lässt sich dies auch nicht gut vereinbaren, so lässt 
sich doch letzteres sehr leicht erklären, wenn man berücksich- 
tigt, dass die Pockenmaterie wieder durch einen kräftigern Or- 
ganismus modificirt wurde, worauf eigentlich die ganze Theorie 
der Schutzimpfung beruht. Wünschenswerth und zum Beweise 
der Schutzkraft erforderlich würde es seyn, wenn man wieder ur- 
sprüngliche Pocken an den Eutern der Kühe auffinden und von 
diesen weiter impfen könnte, weil die Lymphe, ein fixes, der 
Syphilis ähnliches Contagium, durch 80 viele Organismen ge- 
mildert und auf diese Art eine ganz andere geworden ist. 
Das Contagium der ächten Pocken und ihrer Abarten hält der 
Verf., nach seiner Ueberzeugung, für ein und dasselbe, nur die 
Receptivität für die erstern oder für die modificirte Form macht 
den Unterschied. Oft werden übrigens für ächte Pocken ausge- 
geben, die es nicht sind. Bei den in den letzten 4 Jahren von 
St. beobachteten Pockenepidemieen kamen nur selten ächte Pocken 
vor und befielen nur Ungeimpfte, so wie Geimpfte nur von den 
modificirten Blattern heimgesucht wurden, Fünf Fälle kamen 
dem Verf. vor, wo ungeimpfte Kinder von vaccinirten Erwachse- 
nen, welche an dem Varioloid litten, angesteckt wurden und 
ächte Pocken erhielten, wogegen wieder Jüngere, von Neuem 
angesteckt, von Varicellen ergriffen wurden. Um nun endlich 
ein entscheidendes Resultat zu gewinnen, entschloss sich St., die 
Revaceination bei Menschen verschiedenen Alters vorzunehmen. 
Es wurden, allerdings mit nicht geringen Schwierigkeiten, in ei- 
nem Zeitraume von 5 Jahren 7078 Individuen ven dem 1. bis 
40. Lebensalter revaccinirt. Von diesen bekamen gar keine 
Pocken 5142; modificirte 845; wirklich unächte 652 und wie- 
der ächte Schutzpocken 439. Die meisten von diesen letzten 
waren zwar früher geimpft, hatten aber nur wenige, mit Mühe 
aufzufindende, oberflächliche, kleine, nicht gezackte Narben. 
Die modificirt genannten Pocken verliefen anfangs gleich den 
ächten, es fehlten ihnen jedoch mehrere charakteritische Zeichen, 
und sie beeilten sich, nach zurückgelegtem stadium acmes, viel- 
mehr, als die ächten, in ihrem Verlaufe. Von. diesen modificir-
	        
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