Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

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VII. Thierarznelkunde. 
selten, doch erschien bei zwei Hunden das Gallenfieber mit 
gelbsüchtigen Zufällen durch Erkältung in der Laufzeit, und aus 
derselben Ursache fiel ein Hund an Tollwuth. ‘ [Radius’s allgem, 
Cholera Zeitung, Nr. 117.] (K-— e.) 
190. Tollkrankheit unter dem Rindviehe; von 
Dr. Herrtwie. In Bütow erkrankten und starben vom Rindviehe 
auf der Stadtweide vom 19. Juli bis zum 24, August 1832 
44} Kühe an, Tollkrankheit, Die Untersuchung dieses Vorfalls 
ergab Nachstehendes: Der Hund des Kuhhirten wurde am 21. 
April von einem tollen Hunde gebissen, Der Eigenthümer gab 
ihm ein sympathetisches Geheimmittel, sperrte ihn 9 Tage ein 
und brauchte ihn dann wieder bei der Heerde. Nach ungefähr 
14 Tagen zeigte ‘sich der sonst sehr thätige Hund sehr träge, 
weshalb er abgesperrt wurde. Schon 2 Tage darauf bildete sich 
die Wuth mehr aus, und bald darauf starb der Hund. Ob er 
während seiner Krankheit noch gefressen und gesoffen wie viel 
Kühe er gebissen habe, liess sich nicht. ermitteln. ‚Dass er 
Beisssucht gezeigt, war nicht in Abrede zu stellen. Die erste 
Kuh erkrankte am 19. Juli, worauf einzelne Erkrankungen schnell 
auf einander folgten. Regelmässige Perioden des Stillstandes 
wurden nicht beobachtet, und nirgends nahm man Fortschreiten 
der Krankheit von einem auf das -andere Stück wahr. Die 
Krankheit trat stets olıne Vorläufer ein. Plötzlich liessen die 
Thiere vom Fressen ab, senkten den Kopf, stellten die Hinter- 
füsse unter den Leib, machten einen krummen Rücken, hoben 
den Schweif in die Höhe und drängten auf Kothausleerung, die 
gar nicht, oder in kleinen, mit Schleim umhüllten, dunkelgrü- 
nen Massen erfolgte. Zuweilen wurde auch nur gelblich weis- 
ser oder graulicher Schleim entleert. Während des’ Drängens 
war der Blick stier, ängstlich, hörte aber das Drängen auf, so 
verlor sich dieser Blick, auch frassen sie dann munter fort. Je 
länger die Krankheit dauerte, desto häufiger und stärker wurde 
das Drängen, und zuletzt wurde nur Schleim entleert. Durch- 
fall trat nie ein. Bei einigen bemerkte man gleich anfangs, bei 
allen andern am 2. oder 3. Tage eine Veränderung im Gange, 
namentlich Schwanken im Hintertheile, welches nach und nach 
zunahm, auch wurden die Thiere zuletzt auf dem Vordertheile 
so geschwächt, dass sie taumelten, oder nicht aufstehen konnten. 
Am 2. Tage wurden sie unruhig, der Blick war feurig und wild, 
die Temperatur wechselte oft, die Lendenhaare sträubten sich, 
die Thiere zeigten hier für Druck grosse Kmpfindlichkeit, viele 
brüllten heftig und wurden, wenn sie einen Hund sahen, unru- 
hig, selbst wüthend. Die Milchsecretien hörte auf, Fressen und 
Wiederkauen dauerte, obgleich in vermindertem Grade, fort, und 
eben so tranken die Kühe noch. © Manche fingen an aus dem 
Maule zu schäumen. Am 3. Tage waren ‘alle Zufälle heftiger, 
das heftige Brüllen wurde heulend, die Thiere wählten bloss im 
Futter herum und magerten auffallend ab. Die meisten fingen
	        
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