Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

200 MM. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
heit aus einer Neuralgie der im Epigastrium gelegenen Organe 
und aus einer gleichzeitigen Irritation des Rückenmarkes zu er- 
klären, und findet einen Beweis für diese Ansicht in der Wir- 
kung des Chinins, das in Nervenleiden angewendet fast nie die 
ersten Anfälle unterdrückt, während es die Paroxysmen der Fie- 
ber in der Regel sogleich beseitigt. [Gazette medicale de Paris, 
tom. III, Nr. 127.) (H—I.) 
141. Entartung der Nieren; vom Med. R. Dr. GrRarr 
in Darmstadt. An Trümey’s interessanten Fall (Hufeland’s Jour- 
nal, Dec. 1830), in welchem eine so ungeheure Grösse und 
Dislocation beider Nieren Statt fand, dass die dadurch bewirkte 
Anschwellung des Unterleibes für Wirkung einer Schwangerschaft 
gehalten wurde, reiht G. folgende zwei Fälle. 1) Ein in guten 
Verhältnissen lebender, eich in keiner Hinsicht Excesse erlau- 
bender, S5jähriger Schlossermeister entleibie sich durch einen 
tiefen, mit einem Gartenmesser geführten Schnitt in den Hals. 
Der befragte Hausarzt versicherte, dass er dies Ereigniss gar 
nicht begreifen könne, indem der Entseelte, nicht nur in der 
jetzten Zeit vor seinem Tode, sondern auch seit Jahr und Tag 
sehr wohl gewesen sey. Bei der Section fand sich ausser eini- 
ger Exsudation unter der Spinnewebenhaut und einer merklichen 
Anfüllung selbst der kleinsten Gefässe auf der Oberfläche des 
grossen und kleinen Gehirns mit hellrothem Blute folgende ganz 
unerwartete Degeneration in den Harnwerkzeugen: Beide Nie- 
ren, der Länge und dem Umfange nach merklich vergrössert, 
bleicher als gewöhnlich. Sowohl in der Fetthaut, als in der 
Substanz derselben eine ungeheure Anzahl von Hydatiden, von 
denen die grössten, in der rechten Niere befindlichen 4 — 5 Ess- 
löffel Wasser enthielten. Sowohl auf der Oberfläche als in dem 
Parenchym jeder: Niere selbst mehrere Dutzend kleinere Was- 
serblasen, vonder Grösse der dicksten Veitsbohne bis zu der einer 
Erbse. In den meisten eine ziemlich klare, gelbliche Flüssigkeit, 
in einigen eine bräuliche, gallenartige, dicke Schmiere. Auch 
die innere Nierensubstanz ungewöhnlich bleich. Das ganze Par 
renchym der rechten Niere erschien, nach Entleerung der Hy- 
datiden, als ein Convolut häutiger Säcke. Die Ureteren normal; 
die Urinblase bleich, sonst regelmässig; 4 Unzen hellgelber Urin 
in ihr. Es ist nicht G.’8s Zweck, zu untersuchen, ob die Dege- 
neration der Nieren als prädisponirendes Moment zum Selbst- 
morde in diesem Falle zu betrachten sey, sondern er sucht nur 
darauf aufmerksam zu machen, dass die grosse Zerstörung in 
beiden Nieren Statt fand, ohne dass die Urinabsonderung merk- 
lich gestört. war, wenigstens ohne dass der Entseelte Veranlas- 
sung gehabt hätte, über ein krankhaftes Gefühl zu klagen. 2) 
Der 8S2jährige, immer heitere und muntere Thürhüter des Darm- 
städter Hospitales starb, nachdem er bloss in den letzten 2 Ta- 
gen seines Lebens über verhinderten Urinabgang und etwas ge- 
schwollenen Unterleib geklagt hatte. Section. Die Prostata enorm
	        
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