Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

Il. Pathologie, Therapie und medieinische Klinik, 201 
jemand erkrankt war. Die Ausbreitung des Contagiums geschah 
übrigens langsam. War die Krankheit in ein Haus eingedrungen, 
so legte sich gewöhnlich der 2. Kranke erst, wenn der 1, 
schon genas. Folgende Punkte bestätigen die Wahrscheinlich- 
keit der Contagiosität: Das Dörfchen liegt auf einem, allen Win- 
den zugänglichen Bergrücken und besteht aus SO kleinen, gröss- 
tentheils niedrigen, unansehnlichen Häusern. Die Kinwohner 
sind fast ohne Ausnahme arme, aber faule Tagelöhner. In den 
engen Wohnungen herrscht Trägheit und grosser Schmuz, ‘ Die 
Luft ist verdorben, wahrhaft stinkend, und es mangelt den Be- 
wohnern an gehöriger Bekleidung, dem nöthigen Bettzeuge und 
einer guten Kost. Diese unglücklichen Verhältnisse müssen Gram, 
Kummer, Sorge und Streit erregen. Endlich fehlt es an gutem 
Wasser. Der eine am Ende des Dorfes befindliche Brunnen ent- 
hält nicht einmal Quell-, sondern zusammengesickertes Wasser 
mit einem schlammigen Bodensatze. Bei trockner Hitze versie- 
gen fast alle Brunnen. Demnach sind, die hohe Lage des Or- 
tes abgerechnet, fast alle Bedingungen da, die einer zum Con- 
tagiösen neigenden Krankheit den Charakter der Contagiosität auf- 
drücken können. Wie kann nun aber dem Umsichgreifen des 
Uebels, das sich übrigens in gelinderer Form in der Umgegend 
und in Darmstadt selbst gezeigt hat und noch zeigt, in H. Einhalt ge- 
than werden? G. schlägt der Regierung folgende Maassregeln vor: 
Reinigung und Reinhalten der Höfe und Wohnungen; Anlegung: guter 
Brunnen und Verschüttung der schlechten, namentlich des am untern 
Theile des Dorfes gelegenen; tägliches Lüften aller Stuben und 
in allen Häusern durch öffentliche Diener veranstaltete Chlor-, 
salpetersaure und Essig- Räucherungen; Unterstützung und Ver- 
pflegung der armen Kranken; Ausrottung der Vorurtheile gegen 
Arzt und Medicin durch den Prediger, da Fälle vorgekommen wa- 
sen, wo die Kranken die‘ Arznei auf den Mist gegossen hatten; 
Verbot gegen öffentliche Leichenbegängnisse und Leichen- 
schmäuse; Verbot gegen häufige Zusammenkünfte in niedrigen 
Stuben; tägliche Räucherung der Schulstuben. Was endlich die 
Frage anbelangt, ob med.-polizeiliche Maassregeln gegen die Ver- 
breitung der Krankkeit über benachbarte Orte nothwendig seyen, 
so ist G. der Meinung, dass sie sich lediglich darauf beschrän- 
ken müssen, den benachbarten Ortschaften die Anwesenheit ei- 
ner ansteckenden Krankheit in H. amtlich anzuzeigen, denn er- 
stens gehe keine Strasse durch H., und es sey kein Verkehr da- 
selbst, und zweitens sey die Krankheit in gelinderer Form schon 
über die ganze Umgegend verbreitet. Sämmiliche Ortschaften, 
in welchen einige Individuen an faulig-nervösen Fiebern danie- 
der liegen, absperren zu wollen,- scheint thörig und ungerecht. 
Soll einer verheerenden Epidemie, sagt G., mit möglichster Schnel- 
ligkeit und entschiedenstem Krfolge entgegen gewirkt werden, 
80 sind die Mittel und Kräfte einer ganzen Provinz, am besten 
des ganzen Landes dazu aufzubieten! So lange jeder Ort für
	        
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