Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

VI. Peychiatrie, 
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Correctionsstrafen in Irrenanstalten selten anzuwenden, jedoch 
nicht ganz zu entbehren sind. Es dürfen aber nach E. Irre aus 
folgenden Kategorien nicht körperlich gezüchtigt werden: Blöd- 
sinnige Irre, Geistesverwirrte, rasende, tobende, nıelancholische, 
schwermüthige und wahnsinnige Irre ohne fixe Idee. Dagegen 
sind nach dem Urtheile des Verfs. diese Strafen bei folgenden 
Irren angezeigt, wenn sie nämlich aus Bosheit grobe Kxcesse 
begehen, ihren Umgebungen Schaden zufügen oder die Sicher- 
heit der Anstalt gefährden: Bei partiellen Irren; bei Irren mit 
fixen Ideen; bei Irren, welche nur periodisch an Geisteskrank- 
heit leiden zur Zeit der Remission; bei boshaften Narren und 
Halbnarren, die aus Uebermuth gutmüthige. Irre misshandeln, 
aus Schadenfreude deren Eigenthum zerstören, oder andere Ex- 
cesse begehen; bei boshaften, aus Zuchthäusern eingelieferten 
Irren, und bei jenen dummen, böotischen, jedoch arbeitsfähigen 
Thiermenschen mit ausserordentlicher Leibesstärke, die ohne 
alle Veranlassung ihrem thierischen Triebe folgen und wie bös- 
artige Thiere andere Irre oder den Wärter anpacken und in 
Lebensgefahr bringen. — Bei dergleichen Irren nun betrachtet 
E. die körperlichen‘ Züchtigungen wie eine chirurgische Opera- 
tion zum Nutzen und Frommen des Patienten, die nur vorüber- 
gehende Schmerzen; macht und lange nicht so lieblos und zweck- 
widrig ist, als manche sinnreich ausgedachte Vorrichtung, mit 
der man den Irren plagt und martert. Vor und bei. der kör- 
perlichen Correctionsstrafe sind jedoch folgende Bedingungen und 
Proceduren zu beobachten: 1) Man soll keinen Irren körperlich 
züchtigen, wenn man nicht voraussieht, dass die Strafe den beab- 
sichtigten Erfolg haben werde. 2) Man muss die Züchtigung 
nicht zu oft, wenigstens nicht zu schnell auf einander wieder- 
holen, sonst werden die Irren hartschlägig, und die Strafe hat 
keinen Erfolg mehr. 3) Der Irre, den man züchtigen will, muss 
in sofern urtheilsfähig seyn, dass er erkennt, er habe Unrecht 
ausgeübt und eine Züchtigung verdient. 4) Man darf nur jene 
Irren züchtigen, - welche aus Bosheit und‘ vorsätzlich sich eines 
Excesses schuldig gemacht und Anderen Schaden zugefügt haben. 
5) Wenn man einen Irren bestrafen will; muss man ihn behandeln, 
ais wenn er kein Irrer wäre, um so mehr, als die körperlich 
gesunden Irren sich nicht überzeugen können, dass sie geistes- 
krank sind; es muss. ein förmliches Gericht gehalten werden. 
6) Der Arzt muss bei der Züchtigung zugegen seyn, damit der 
Gezüchtigte nicht meine, es sey blosse Eigenmächtigkeit von Of- 
ficianten, und es geschehe ihm zu viel, so wie auch, damit et- 
was von der Strafe nachgelassen werden könne, wenn der De- 
linquent um Verzeihung und Gnade bittet. 7%) Die Vollziehung 
der Strafe muss dem Vergehen auf dem Fusse folgen. — Die 
Execution selbst kann ein Unteraufseher vollziehen und zwar bei 
Männern mit einer weichen, ledernen Carbatsche, bei Weibern 
mit einer Ruthe. Beide erregen Schmerzen genug, ohne dass
	        
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