Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

138 MM. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
rige. Tincturen und später kleine Gaben schwefelsaures Chinin 
passend. In gewissen Fällen hat das Cinchonin den Vorzug. 
Salz- oder Seebäder vollenden, wenn die Oertlichkeit sie ge- 
‚statten, die Cur, Rührt das Uebel von Erschlaffung der Mus- 
'keln am Kehlkopfe her, so wendet man zuerst ein adstringiren- 
des Gurgelwasser an, dann bläst man nach BRETONNEAU gepul- 
verten Alaun ein, verordnet Revulsivmittel und unter andern die 
Moxa, wohl auch Douchebäder in der Gegend des Halses und 
über der Wirbelsäule. Nur selten gewähren diese Mittel nicht 
den vollständigsten Krfolg. Am schnellsten und auffallendsten 
wirkt das Kinblasen des gebrannten Alauns. Mit demselben 
stellte B. einer Person die Stimme wieder her, welche über 6 
Monate nur flüsternd sprechen konnte und schon viel vergeblich 
gebraucht hatte. — Was endlich die organische Verlängerung 
der Uvula anlangt, so afficirt dieselbe, ausser der unangeneh- 
men Empfindung, welche das stete Bestreben zu schlucken 
hervorbringt, auch die Modulation der 'löne beim Sprechen 
und noch mehr, wenn, wie beim Lesen, eine Menge Worte nach 
einander gesprochen werden. Reden zu halten und zu singen 
iet dabei unmöglich, und es entsteht Trockenheit der Fauces und 
oft eine solche Alteration im Tone der Stimme, dass bei fort- 
gesetztem Sprechen diese Anstrengungen völlige Stimmlosigkeit 
zur Folge haben. Soviel bekannt ist, hat man in ähnlichen 
Fällen Aetzmittel, um die Uvula zu verkürzen, nicht angewen- 
det, und doch scheinen sie vor der Operation den Vorzug zu 
verdienen. B. hat sich daher bemüht, Mittel aufzufinden, dies 
leicht und ohne Gefahr zu bewirken, und er ist so auf ein In- 
strument gekommen, das er Staphylo-pyrophorus oder, seiner 
Function nach, doppelten Aetzmittelträger nennt. Das Haupt- 
stück desselben ist ein metallener Cylinder, der alle die Be- 
wegungen des Apparates hervorbringende Theile enthält, Am 
einen Ende ist auswendig ein Löffel angebracht zur Aufnahme 
für das salpetersaure Silber, um den hintern und untern Theil 
der Uvula zu ätzen. Das salpetersaure Silber liegt auf dem 
Boden des Löffels und wird beliebig mittelst eines ebenen und 
dünnen Schiebers, der am Ende die Gestalt eines Spatels an- 
nimmt, bedeckt und entblösst. Diesen Schieber kaun man vor- 
oder zurücktreten lassen, indem man ihn in die untere Hälfte 
des Cylinders schiebt. Der Löffel sitzt fest am Cylinder, doch 
kaun man einen grössern, oder einen kleinern, wie es die Um- 
stände fordern, ansetzen. Um die Uvula an ihrer Stelle zu 
erhalten, hebt man den Löffel an der Seite empor und richtet 
sich dabei nach der Form der Uvula. Im obern Theile der 
Höhle des Cylinders ist ein Falz angebracht, in dem ein Stäb- 
chen mit einem zweiten Aetzmittelträger von der Gestalt eines 
Bleistiftes liegt, mit dem man die Spitze und den vordern Theil 
der Urula ätzt. Die Theile des Instrumentes, die mit dem sal- 
petersauren Silber in Berührung kommen, sind von Platiu, kön-
	        
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