Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

144 11. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
einer Bösartigkeit, die man nicht zu deuten vermochte, und bei 
der nur genügsame Kinfalt, wie Rem treffend sagt, sich über- 
zeugen kann, dass sie dieselbe mit ihren Begriffen von Asthe- 
nie erreicht habe. Dies Fieber tödtete schnell und heimtückisch, 
ohne der Kunst zu gehorchen, und unterschied sich dadurch vom 
Fieber beim entzündlichen Scharlach, das bei anscheinend böser 
Miene doch durch Antiphlogistica gezähmt wurde. Much er- 
schien das Fieber bisweilen sogleich typhös und nahm dann in 
einzelnen Fällen den fauligen Charakter an. MNachkrankheiten 
waren sehr häufig und machten meist die Epidemie gefährlich, 
Nach leichtem Scharlach waren sie seltener, doch kamen bei 
aller Sorgfalt Anasarca oder theilweises Oedem vor. Vorzüglich 
erschienen sie bei Fällen von mittlerer Heftigkeit. Zu ihnen 
gehörten 1) anhaltendes Fieber, Febris lenta. Der Digitalis 
und den Säuren gelang es oft, die Secretionen in Gang zu brin- 
gen und das Fieber zu heben, doch starben auch viele gleich- 
sam an rapider Hektik. 2) Otorrhöe mit Schwerhörigkeit, die 
sich mehrmals bei warmem Verhalten und reinigenden KEin- 
spritzungen verloren, Wichtig ist in dieser Hinsicht nachstehen- 
der Fall: Ein 8jähriges Mädchen litt 4 Wochen daran und zu- 
gleich an zehrendem Fieber. Letzteres hatte sich meist ver- 
loren uud das Gehör etwas gebessert, doch dauerte ein profuser, 
stinkender Ausfluss fort, Plötzlich traten eines Morgens Phan- 
tasieen und Convulsionen ein, und als das Kind zu sich kam, 
war es völlig blind; die Augen waren starr, der Kopf schmerzte 
sehr, es fand sich grosse Beklemmung ein, die Füsse schwollen an, 
und elend starb so nach 5 Tagen das Kind. Bei der Section 
fand sich eine starke entzündliche Exsudation über die ganze 
Arachnoidea; die Trommelhöhle war mit eiteriger Materie ge- 
füllt und die Gehörknöchelchen bröcklich und dem Absterben 
nahe, 3) Entzündung und Eiterung der Halsdrüsen.. 4) Wasser- 
sucht. Sie kam am’ häufigsten vor, und zwar oft nach mehreren 
Wochen bei völligem Wohlbefinden, war immer bedenklich, ar- 
tete sich meist als Anasarca, zu der oft Hydrothorax, selten 
Ascites trat, und war in der Regel ohne Fieber. Zuweilen kam 
jedoch auch Fieber hinzu, was ungünstig war und auf Exsuda- 
tion deutete. 5) Auf entzündlicher Reizung der Hirnhäute be- 
ruhende Eklampsie zur Zeit der Desquamation. — Die Conta- 
giosität anlangend, so erfolgte Ansteckung, die sehr hänfig nicht 
anzunehmen war, nicht in der Abschuppungsperiode, ‘sondern 
früher, auch schien das Contagium nicht lange latent zu blei- 
ben, da die meisten der Angesteckten nach 4—5 Tagen, ein- 
zelne nach 1—2 oder nach 8 Tagen, selten später erkrankten. 
Bei aller Bösartigkeit schien die Ansteckungskraft beschränkt 
und auffallend; oft blieben mehrere Kinder einer angegriffenen 
Familie gesund. Bei leichten, wie bei schweren Fällen war 
übrigens die Contagiosität ganz gleich. Vebertragung durch dritte
	        
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