Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

U. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 9 
3—4 Unzen warmes Wasser, mit dem zur Erwärmung des 
Blutes dienenden warmen Wasser einspritzen zu lassen. Die 
Menge des einzuspritzenden Wassers anlangend, das wenigstens 
25 und nicht mehr als 30° R. haben darf, so möchte wohl alle 
2—6 Stunden ein Pfund eingespritzt werden. Nach der ersten 
Einspritzung muss man versuchen, ob der Aderlass nun möglich 
ist, der aber als Revulsorium nicht zu reichlich sey. Dass die 
Transfusion von natürlich warmem Menschenblute in Berlin frucht- 
los gewesen, spricht nicht gegen das Mitgetheilte. Theils war 
wohl die Menge desselben hinsichtlich der in ihm enthaltenen 
Wärme zu gering, theils möchte blosses warmes Wasser besser 
zur Einspritzung seyn, da dem Blute der Cholerakranken neben 
Wärme die Flüssigkeit mangelt. Wo übrigens das Biut in den 
grössern Venen bereits wirklich geronnen ist, dürften auch solche 
Kinspritzungen nichts mehr fruchten, da durch Kälte geronnenes 
Blut vielleicht nie wieder lebendig wird. In einer Nachschrift 
bemerkt der Herausgeber der allgemeinen Cholera-Zeitung, dass 
der eben erwähnte Vorschlag, bei Cholera warmes Wasser in 
die Venen einzuspritzen, wenn auch in anderer Absicht, als 
oben angeführt, von mehreren englischen Aerzten mit glücklichem 
Erfolge in Ausführung gebracht worden sey. (S. Summar. 1832, 
Bd. 1, Nr. 44 u. 45.) [Radius’s allgemeine Cholera-Zeitung, 
Nr. 109.] (K— e.) 
5. Die Fontanelle als Schutzmittel gegen an- 
steckende epidemische Krankheiten, namentlich die 
Cholera; von Dr. Traurtzsch zu Eibenstock. Die Fontanelle 
standen fast bei allen Aerzten in grossem Ansehen, und beson- 
ders viel hielten die treuen Beobachter der Natur, die Alten, 
von denselben. Doch fehlt es auch nicht an Aerzten, die ihre 
guten Wirkungen in Zweifel zogen. Dies geschah z. B. von 
ARNEMANN, der nicht nur läugnete, dass künstliche Geschwüre 
kranke, verdorbene Theile aus dem Körper ausführen könnten, 
da sie keine Absonderungsorgane wären, sondern der sie gerade- 
zu beschuldigte, dass sie oft der Gesundheit nachtheilig würden, 
da sie Eiter in’s Blut brächten und im Verhältnisse zu der aus- 
zu leerenden Materie auch die Kräfte schwächten. Die gute Wir- 
kung hing nach ihm oft bloss vom anhaltenden Reize ab. .Da- 
gegen haben wieder andere die Wirkungen der Fontanelle un- 
Jäugbar überschätzt und sie fast zu einem Universalmittel er- 
hoben. Nur die Wenigsten haben bei ihrer Beurtheilung die 
goldene Mittelstrasse getroffen. Auch hier giebt, wie überall, 
die Natur die beste Auskunft... Selbst ARNEMANN, der, wie wir 
angaben, eben kein Freund der Fontanelle ist, sagt, dass, wenn 
der Ausfluss der Feuchtigkeiten sehr gross sey, man sie nicht 
gut schliessen könne, unfehlbar weil er vom unvorsichti- 
gen Zuheilen üble Folgen beobachtet hatte. Die Wahrheit ist, 
dass man ein altes Fontanell, an das sich die Natur gewöhnt 
hat, nicht mebr entbehren, wenigstens nicht ohne Gefahr zu-
	        
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