Full text: (4. Band = 1833, No 1-No 8)

112 - 1V. Chirurgie und Augenheilkunde. 
Ausser bei Veränderung seiner Lagerstatt habe er nie beden- 
tende Schmerzen gehabt, und wenn einmal eine schlaflose Nacht 
gekommen, so sey die Pfeife sein Trost gewesen, die ihm den 
ganzen Tag über der immer unerträglicher werdende Gestank 
aufgenöthigt habe, besonders da der Unterfuss zu schwellen 
angefangen, und da gelbe und braune Blasen zum Vorscheine 
gekommen, die aufgeplatzt wären und die Fäulniss des aus der 
Ernährungssphäre Entfernten beurkundet hätten. Jahrelang habe 
er nichts gethan, als sich oft mit reinem, lauem Wasser gerei- 
nigt. Vor 3 Monaten habe er Nachts nach einer plötzlichen 
Seitenbewegung im Geschwüre ein Geknarre gehört und uner- 
trägliche Schmerzen bekommen. Bei näherer Untersuchung seyen 
beide Unterschenkelknochen in ihrer Continuität getrennt ge- 
wesen, während es die Weichgebilde schon lange waren und 
nur durch eine kleine Portion des Wadenmuskels und der Haut 
über demselben mit dem Körper zusammenhingen. Nahe bei 
den getrennten Knochen habe er zwei unzerstörte, weissröthli- 
che, in den Unterfuss sich verlierende Stränge gesehen, die er 
für blutführende Gefässe gehalten und unterbunden, dann aber 
dieselben und die Wadenmuskelportion mit dem Barbiermesser 
durchschnitten habe, Die Biutung sey nur unbedeutend und 
bald durch kaites Wasser gestillt gewesen. Unter fernerer Be- 
nutzung des kalten Wassers seyen mehrere Knochensplitter ent- 
fernt worden und allmählich aus dem cariösen Geschwüre eine 
reine eiternde Wunde mit Granulationen geworden, die sich bald 
über dem Knochenstumpfe geschlossen habe und nur von Maut 
unbedeckt geblieben sey. A. liess Charpiekuchen mit Ung. 
digest. auflegen und wendete Lap. inf. oder rothe Präcipitatsalbe 
mit Laud. liqg. S. an, worauf schon nach 2} Monaten der ganze 
Stumpf mit schöner Hauinarbe bedeckt war. Der Patient ist jetzt 
recht wohl und geht auf einem Stelzfusse seinen häuslichen Ge- 
schäften nach. — Dieser Fall ist wohl in mehrfacher Beziehung 
nicht unwichtig: Er wird nämlich 1} nicht leicht durch einen 
ähnlichen übertroffen werden, wo ein so lange dauerndes Leiden 
ohne Nachtheil auf den Gesammtorganismus blieb; 2) gab hier 
die Natur gewiss einen höchst merkwürdigen Beweis ihrer selbst- 
thätigen Heilkraft; 3) dient dieser Fall abermals zum Beweise, 
wie während allgemeiner cariöser Zerstörung aller festen und 
weichen Gebilde die Gefässhäute dieser widerstanden haben, und da 
nie eine selbst nur geringe Blutung eingetreten war, so musste wohl 
eine adhäsive Verschliessung der kleinen Gefässe eingetreten 
seyn. Bemerkenswerth ist übrigens 4) der IHeroismus des Pa- 
tienten, der an den Kranken erinnert, der, von ALBUCASEM ab- 
gewiesen, die faulig zerstörte Hand sich selbst amputirte. 
‚vo. Gräfe’s und v. Walther’s Journal der Chirurgie u. Augen- 
heilkunde, Bd, 18, Hft. 1.] (K—e.) 
2. Steinschnitt vermittelst des hohen Appara- 
tes; von CARTERKAU in Bar-sur-Seine. Eine 57jährige Frau,
	        
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